EU-Herbstprognose: Eurozone wächst 2006 um 1,9 Prozent

29. November 2005, 14:50
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EU nimmt April-Prognose zurück - Für 2007 BIP-Wachstum von 2,1 Prozent erwartet - Für Österreich BIP-Wachstum von 1,9 Prozent für 2006 erwartet

Brüssel - Mit einem Aufschwung der Konjunktur im nächsten Jahr rechnet die EU-Kommission in Brüssel. Die Wirtschaft der zwölf Länder der Eurozone wird nach Schätzungen der Kommission 2006 um 1,9 Prozent und im Jahr 2007 um 2,1 Prozent wachsen. Für dieses Jahr erwartet die Kommission nur ein Wachstum von 1,3 Prozent, wie aus der am Donnerstag in Brüssel veröffentlichten Herbstprognose der EU-Behörde hervorgeht.

Damit hat die Kommission ihre Wachstumsaussichten gegenüber ihrer im Mai veröffentlichten Frühjahrsprognose zurückgenommen. Damals hatte die Kommission noch ein Wachstum der Wirtschaft der Eurozone von 1,6 Prozent für heuer und von 2,1 Prozent im nächsten Jahr vorausgesagt.

Auch in Österreich wird laut der Prognose die Wirtschaft in den kommenden beiden Jahren zulegen: 2006 erwartet die Kommission ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,9 Prozent, für 2007 sagt sie 2,2 Prozent voraus. Im laufenden Jahr schätzt die EU-Behörde das BIP-Wachstum auf 1,7 Prozent.

EU: 2,1 Prozent Wachstum

Noch optimistischer als für die Eurozone beurteilt die EU-Kommission die Wachstumsaussichten der EU insgesamt. Die Wirtschaft der 25 EU-Staaten wächst demnach 2006 um 2,1 und 2007 um 2,4 Prozent gegenüber 1,5 Prozent heuer, teilte die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel in eihrem Herbst-Konjunkturgutachten mit.

Die EU-Kommission sieht Europa seit Beginn des zweiten Halbjahres 2005 trotz hoher Ölpreise in einer Aufschwungphase.

"Nach einem enttäuschenden ersten Halbjahr sind das Euro-Gebiet und die EU in der guten Lage, die nach wie vor günstigen Aussichten der Weltwirtschaft zu nutzen", erklärte EU-Wirtschaftskommissar Joaquin Almunia.

"Rückkehr des Vertrauens"

"Die Rückkehr des Vertrauens in die Wirtschaft und der ständige Rückgang der Arbeitslosigkeit dürften auch den Verbrauch ankurbeln und Investitionen fördern, denen günstige Finanzierungsbedingungen und solide Unternehmensgewinne zugute kommen. Die Wachstumsquote von 0,6 Prozent für das dritte Quartal bestätigt diesen Trend."

Die Wirtschaft in Deutschland wird laut der Prognose im nächsten Jahr um 1,2 Prozent und 2007 um 1,6 Prozent wachsen gegenüber dem schwachen Wert von 0,8 Prozent in diesem Jahr. In der April-Prognose ging die EU von einem Wachstum von 1,6 Prozent für 2006 aus.

Mit einer Neuverschuldung von 3,9 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt wird Deutschland laut Kommission 2005 im vierten Jahr in Folge gegen den Euro-Stabilitätspakt verstoßen. Für das kommende Jahr sagt die EU-Kommission ein Defizit von 3,7 Prozent vorher, für das übernächste Jahr "bei unveränderter Politik" von 3,3 Prozent. Die EU verlangt allerdings von der künftigen duetschen Bundesregierung eine Einhaltung der Maastrichter Defizitgrenze von drei Prozent spätestens 2007.

Arbeitslosigkeit bleibt hoch bei 5,0 Prozent

Der erwartete starke Anstieg des Privatkonsums durch die Steuerreform von Anfang 2005 sei nicht eingetreten, heißt es in dem Bericht. "Bis jetzt scheinen die Folgen der steigenden Ölpreise die Auswirkungen der erweiterten Fiskalpolitik aufgehoben zu haben."

Das Budgetdefizit Österreichs für heuer beurteilt die Kommission etwas günstiger als noch im April. Damals hatte die Kommission eine Neuverschuldung von 2,0 Prozent des Bruttoinlandsproduktes vorausgesagt, nunmehr sind es 1,9 Prozent. Dafür erwartet die Kommission im nächsten Jahr ein österreichisches Budgetdefizit von 1,8 Prozent, anstatt 1,7 Prozent wie die Bundesregierung im Stabilitätsprogramm angestrebt und die Kommission im April vorausgesagt hat. Im Jahr 2007 soll die Neuverschuldung dann auf 1,4 Prozent zurückgehen, sagt die EU-Behörde voraus.

Arbeitslosigkeit 2007 höher gesehen

Für 2005 und 2006 rechnet die Kommission mit einer Arbeitslosenquote in Österreich von 5,0 Prozent, für 2007 sagt sie 5,1 Prozent voraus. Die Beschäftigung werde bis 2007 wachsen, dies werde aber durch das steigende Angebot der Arbeitskräfte aufgewogen, erwartet die Kommission. "Die speziellen Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit werden wahrscheinlich den steigenden Trend 2006 in Zaum halten, aber sie werden nicht ausreichen, um die Rekordarbeitslosigkeit von ihrem Höchststand zurückzufahren. Wegen der kurzfristigen Natur der Maßnahmen, wird sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit 2007 beschleunigen", heißt es in dem Bericht der Kommission.

Die Inflation wird sich in Österreich von heuer geschätzten 2,2 Prozent auf 2,1 Prozent im nächsten und 1,7 Prozent im übernächsten Jahr reduzieren. Auch bei der staatlichen Gesamtverschuldung erwartet die Kommission einen Abbau von heuer 64,3 Prozent auf 64,2 Prozent 2006 und 63,6 Prozent 2007. (APA)

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