Rom: Großer Prozess über illegalen Kunsthandel

17. November 2005, 02:27
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Auftakt des Verfahrens, Kuratorin des Getty-Museums Hauptangeklagte

Rom - Ein großer Prozess wegen illegalen Handels mit antiken Kunstschätzen hat am Mittwoch in Rom begonnen. Hauptangeklagte ist die ehemalige Kuratorin des berühmten Getty-Museums in Los Angeles, Marion True. Sie soll laut Staatsanwaltschaft über Jahrzehnte hinweg antike Kunstwerke im Wert von 20 Millionen Dollar gekauft haben, obwohl sie wusste, dass diese aus illegalen Grabungen in Italien stammten.

Bei den insgesamt über 30 Kunstwerken soll es sich vor allem um antike römische, griechische und etruskische Skulpturen, Amphoren und Vasen handeln, die vor allem aus Raubgrabungen um den Vesuv und auf Sizilien stammten und über Mittelsmänner verkauft worden seien. Zudem ist der in der Schweiz lebende Kunsthändler Emanuel Robert Hecht mitangeklagt. Das Getty Center in Los Angeles gilt als einer der reichsten und modernsten Kunst-Kathedralen der Welt, in dem Teile der Sammlung des kalifornischen Ölmagnaten J. Paul Getty (1892-1976) zu sehen sind.

Sizilien als Zivilkläger

Am Mittwoch ging es zunächst lediglich um Verfahrensfragen. Unter anderem wurde die Region Sizilien als Zivilkläger akzeptiert. Auch die 57-jährige Ex-Getty-Kuratorin erschien vor Gericht. Der Prozess war bereits im Juli formell eröffnet, aber sofort wegen fehlender Übersetzungen der Klageschriften verschoben worden. Das Getty-Museum hat bereits im Vorfeld mehrere Fundstücke an Italien zurückgegeben. Insgesamt sind 200 Zeugen in Rom vorgeladen.

Kunstexperten meinen, es handele sich um den ersten ganz großen Prozess, in dem weltweit anrüchige Geschäfte mit antiker Kunst ans Licht kämen. Bisher habe es stets an konkreten Beweisen gemangelt, den Handel durch Mittelsmänner und dunkle Kanäle zweifelsfrei nachzeichnen zu können. Diesmal aber lägen der Staatsanwaltschaft präzise Aufzeichnungen von Händlern vor. "Wir haben kistenweise Dokumente, die erdrückendes Beweismaterial liefern", meinten die Ankläger vor Prozessauftakt. Die Ermittlungen dauerten rund zehn Jahre. (APA/dpa)

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