Solidarnosc-Heldin will Volker Schlöndorff verklagen

20. November 2005, 18:50
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Anna Walentynowicz beklagt, dass der Regisseur mit ihrer Biografie "rüpelhaft" umgeht

Anna Walentynowicz (76), frühere Solidarnosc-Heldin, will Regisseur Volker Schlöndorff (66), der einen Film über ihr Leben dreht, verklagen. Er gehe "rüpelhaft" mit ihrer Biografie um, sagte sie in einem Interview.

Bereits die erste Fassung des Drehbuchs hatte die 76-jährige frühere Kranführerin derart erbost, dass sie Schlöndorff aufforderte, sein Projekt abzublasen. Andrzej Gwiazda, ihr Mitstreiter aus alten Tagen und wie sie noch jetzt führend in der antikommunistischen Opposition, sagte der Zeitung: "Anna wurde darin als Analphabetin dargestellt und die Arbeiter als Alkoholiker gezeigt".

Walentynowicz will nach eigenen Angaben nur noch über ihre Anwälte mit den Filmleuten sprechen. Schlöndorff hatte unlängst erklärt, was ihn an Walentynowicz interessiert: "Die Geschichte einer Frau, einer einfachen Arbeiterin, die Probleme im Leben hat, aber ihren Prinzipien immer treu bleibt."

Walentynowiczs Entlassung im August 1980 hatte den Streik der Arbeiter auf der Lenin-Werft ausgelöst und danach zur Gründung von Solidarnosc geführt. Mit dessen ersten Vorsitzenden, Lech Walesa, überwarf sich Walentynowicz und verließ Solidarnosc in den 80er Jahren. Dem späteren Friedensnobelpreisträger Walesa warf sie Zusammenarbeit mit kommunistischen Geheimdiensten vor.(APA, DER STANDARD Printausgabe 17.11.2005)

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