Warmes Essen und Kultur für alte Menschen

17. November 2005, 19:28
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Pflegeombudsmann Vogt präsentiert seine Forderungen an die neue Stadtverwaltung

Wien - "Natürlich bin ich ungeduldig", meint der Wiener Pflegeombudsmann Werner Vogt. Er sei schließlich "keine Eintagsfliege". Am 30. August habe ihm Bürgermeister Michael Häupl versprochen, dass nach der Wahl weitergeredet werde - über Vogts Anliegen und Projekte. Im Gespräch mit dem STANDARD erklärte er, was er durchsetzen will.

  • Rechtsgrundlage

    Trotz einhelliger Zustimmung von allen Parteien kann der Pflegeombudsmann noch immer nicht Einsicht in Dokumentationen von Krankenhäusern und Heimen nehmen, was seine Arbeit erheblich erschwert. Bei Verdachtsmomenten müsse er die MA 15 einschalten, die dann jemanden von der Patientenanwaltschaft zu Rate ziehe. "Damit wird auf unser Wissen verzichtet. Das ist eine Vergeudung von Ressourcen."

  • Ehrenamtliche

    Um den Pflege- und Betreuungsnotstand einzudämmen, müsse es eine umfassende Kampagne geben. Bisher sei die Werbung für Ehrenamtliche "halbherzig" verfolgt worden. "1800 alte Menschen kommen nie an die frische Luft, weil es zu wenig Personal gibt. Das sind unzulässige Gewaltmaßnahmen."

  • Besseres Essen für Alte

    In Großheimen wie dem Geriatriezentrum am Wienerwald (Lainz) wird das Essen zentral zubereitet und dann auf die oft weit entfernt liegenden Stationen verteilt. "Die meisten bekommen mittags ein kaltes Essen", ärgert sich Vogt. Er hat auch schon eine Lösung parat: Fernsehkoch Alois Mattersberger würde um 8000 Euro ein Konzept erstellen - die Stadtverwaltung hat bisher nicht darauf reagiert.

  • Kultur im Pflegeheim

    "Es kann nicht sein, dass man Lainz betritt und die Stadt verlässt", sagt der Pflegeombudsmann. Er selbst habe sich für Konzerte eingesetzt. Außerdem gebe es keinen Zugang zu Tageszeitungen, kein Radio.

  • Engagement der Pensionistenvereine

    "Die kümmern sich nur noch um die Senioren, die nach Mallorca fahren," meint Vogt. Und das, obwohl auch die Menschen in den Pflegeheimen Mitglieder sind.

  • Regionalisierung

    Große Pflegeheime müssen abgebaut, kleine Wohn-Einheiten mit entsprechender Betreuung gefördert werden. Wien habe sehr gute Voraussetzungen dafür, erklärt Vogt. Als Vorbild könnten die 31 "Häuser zum Leben" des Kuratoriums der Wiener Pensionistenheime dienen, die schon jetzt sehr offen seien und gut funktionieren. "Es sprechen sich zwar alle Parteien dafür aus, aber beschreiten kann den Weg nur die SPÖ."

    Mit wenig Aufwand könne im Pflegebereich vieles bewegt werden, davon ist Vogt überzeugt. Jetzt brauche nur noch der Bürgermeister seine Zusagen erfüllen. (Karin Krichmayr, DER STANDARD Printausgabe 17.11.2005)

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