Offizier nach "Hinrichtung" von Schulmädchen freigesprochen

18. November 2005, 20:44
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Israelisches Gericht glaubt nicht an Version einer gezielten Tötung der 13-Jährigen

Jerusalem - Ein israelischer Offizier, der vor gut einem Jahr ein palästinensisches Mädchen erschossen haben soll, ist am Dienstag überraschend freigesprochen worden.

Die 13 Jahre alte Iman el-Hams ist am 5. Oktober 2004 im Todesstreifen zwischen Rafah im Süden des Gaza-Streifens und der Ägyptischen Grenze von israelischen Militärposten erschossen worden. Der Hauptmann eines Postens verließ damals entgegen stehenden Befehlen seine gepanzerte Stellung, ging auf das am Boden liegende Mädchen zu und feuerte ein Dutzend Kugeln in den Leichnam, "um den Tod sicherzustellen". So etwa wurde eines der "abscheulichsten Verbrechen" eines israelischen Soldaten im Laufe der Intifada dargestellt. Bis heute ist unklar, wieso sich das Mädchen in die Sperrzone verlief, anstatt in die entgegengesetzte Richtung zur Schule zu laufen.

Tod des Mädchens löste weltweite Proteste aus

Das Verhalten des Hauptmanns löste weltweite Proteste aus. Israelisches Fernsehen und Zeitungen produzierten "Dokumentationen", wobei die Soldaten ihrem Kommandanten einen mörderischen Blutrausch unterstellten.

Die Militärpolizei untersuchte den Fall und ein Militärgericht ermittelte ein Jahr lang die Wahrheit. Angeklagt wegen unerlaubter Benutzung seiner Waffe, mangelhaftem Verhalten und Justizstörung wurde "Hauptmann R." jetzt überraschend in allen Punkten freigesprochen. Die Richter stellten fest, dass die Behauptungen der Soldaten, auf die sich auch die Presse stützte, falsch und widersprüchlich waren.

Schüsse auf "Figur mit der Tasche"

Die Militärpolizei habe den mitgeschnittenen Sprechfunkverkehr nicht sorgfältig niedergeschrieben. Weder der Hauptmann noch die Soldaten, die auf die "Figur mit der Tasche" geschossen hatten, konnten wissen, dass es sich um ein Mädchen und nicht um einen Terroristen mit Bombe handelte. Die Richter schlossen zudem aus, dass "Hauptmann R." in Richtung des Leichnams geschossen habe. Vielmehr habe er Warnschüsse in den Boden abgegeben, ehe er das Gelände verließ. Die Richter äußerten schwere Vorwürfen gegen die Presse und die Ermittler der Militärpolizei, ehe sie "Hauptmann R." freisprachen.

Der Vater des getöteten Mädchens, Samir el-Hams, reagierte verbittert auf den Freispruch: "Es gibt in Israel ein Recht für Juden und ein anderes Recht für Araber." Der freigesprochene "Hauptmann R." ist freilich kein Jude, sondern Druse, eine arabisch-sprechende Volksgruppe mit einer aus dem Islam hervorgegangenen Geheimreligion. (APA)

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