Tunis brachte Israel und Palästinenser wieder näher

18. November 2005, 08:02
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Zwei spontane Treffen zwischen Shalom und Abbas

Tunis/Jerusalem - Israel und die Palästinenser haben am Mittwoch mit dem ranghöchsten Treffen auf Regierungsebene seit Monaten den Gesprächsfaden wieder aufgenommen. Am Rande des UN-Weltinformationsgipfels in Tunis kamen überraschend Israels Außenminister Silvan Shalom und der palästinensische Präsident Mahmud Abbas zusammen. Das Treffen habe sich zufällig ergeben, sagten Regierungsvertreter. Später kamen beide zu einer zweiten Gesprächsrunde zusammen, an der auch UN-Generalsekretär Kofi Annan teilnahm.

Da israelische Regierungsmitglieder selten in arabische Länder reisen, gilt auch der Rahmen des Treffens als bemerkenswert. Dabei dürften jedoch auch persönliche Umstände eine Rolle gespielt haben: Der 47-jährige Shalom wurde in Tunesien geboren und wanderte im Kindesalter mit seinen Eltern nach Israel aus.

Fortsetzung des Dialogs

Abbas sagte über das erste Gespräch mit Shalom am Rande des UN-Gipfels, es sei ein gutes Treffen gewesen. Man habe auch darüber gesprochen, wie man den Dialog fortsetzen könne. Es sei konkret um die am Dienstag von US-Außenministerin Condoleezza Rice ausgehandelte Vereinbarung zur Öffnung des Grenzübergangs Rafah vom Gaza-Streifen nach Ägypten gegangen.

Aus Regierungskreisen verlautete, Shalom habe in dem Gespräch seinerseits Missfallen darüber zum Ausdruck gebracht, dass die radikal israelfeindliche Gruppe Hamas an den palästinensischen Parlamentswahlen im Jänner teilnehmen darf. Shalom plante am Rande des Treffens nach Angaben seines Sprechers, mindestens zwei weitere arabische Spitzenpolitiker zu treffen.

Shalom sieht "Durchbruch"

Der israelische Außenminister selbst sprach im Zusammenhang mit seiner Gesprächsinitiative von einem "Durchbruch". Die zweite Begegnung mit Abbas in Tunis verlief nach israelischen Angaben in freundlicher Atmosphäre, ohne dass Inhalte des nur wenige Minuten dauernden Treffens bekannt wurden.

Ministerpräsident Ariel Sharon hatte sich nach dem israelischen Abzug aus dem Gaza-Streifen vorerst Gesprächen mit Abbas verweigert, solange dieser militante Gruppen nicht entwaffne. Abbas wies jüngst die Forderung Sharons mit dem Hinweis zurück, er wolle keinen Bürgerkrieg in den palästinensischen Gebieten riskieren. (APA)

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