Serbien zeigt Härte in Kosovo-Frage

17. November 2005, 18:16
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Kostunica auf der Suche nach Verbündeten für Regierungsresoultion

Serbiens Premier Vojislav Kostunica rief alle politischen Kräfte auf, in der Kosovo-Frage "nationale Einigkeit" zu demonstrieren und sich der Resolution seiner Regierung anzuschließen, die eine Unabhängigkeit der zu über neunzig Prozent von Albanern bewohnten, von der UNO verwalteten Provinz ablehnt. Die UN-Verhandlungen um den Status der Provinz haben soeben begonnen.

Obwohl alle serbischen parlamentarischen Parteien diese Resolution grundsätzlich unterstützen, warf der prowestliche Block Kostunica vor, sich zuallererst ausgerechnet die Zustimmung der ultranationalistischen "Serbischen Radikalen Partei" (SRS) und der "Sozialistischen Partei Serbiens" (SPS) gesichert zu haben. Den Präsidenten der beiden Parteien, Vojislav Seselj und Slobodan Milosevic, wird vor dem UNO-Tribunal in Den Haag unter anderem der Prozess wegen im Kosovo begangener Kriegsverbrechen gemacht. Von der Unterstützung der SPS hängt die Minderheitsregierung ab, die SRS ist mit rund 37 Prozent die mit Abstand stärkste Partei in Serbien.

SRS-Vizepräsident, Aleksandar Vucic, erklärte neulich, dass man den Kosovo "notfalls auch mit Waffengewalt" verteidigen sollte. Der Patriarch der serbisch-orthodoxen Kirche, Pavle, betonte, dass sich Serbien mit einer "Okkupation" des Kosovo nie abfinden würde. Belgrad hat sich in der Kosovo-Frage die Unterstützung Griechenlands und Russlands gesichert. (DER STANDARD, Print, 17.11.2005)

Andrej Ivanji aus Belgrad
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