Stéphane Lissner - der Multi-Intendant

25. November 2005, 13:57
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Vertrag des Wiener-Festwochen-Musikchefs trotz absebarer Absenzen verlängert

Die verblüffendsten Nachrichten aus der heimischen Kulturszene werden meist beiläufiger präsentiert als, sagen wir einmal, die 29. Pressekonferenz im Vorfeld des Mozartjahres. Mit einer knappen Presseaussendung verkündete am Dienstag Wiens SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny die Frohbotschaft, dass der Vertrag des Wiener-Festwochen-Musikchefs Stéphane Lissner bis 2010 verlängert wird.

Dass diese Benachrichtigung nicht im Rahmen einer Pressekonferenz erfolgte, ist leicht erklärt: Stéphane Lissner ist in der Tat ein international gefragter, viel beschäftigter Mann. Zwar ist er im Sommer als Kodirektor in Peter Brooks Pariser Théâtre des Bouffes du Nord zurückgetreten. Doch ist er weiterhin Kodirektor im Théâtre de la Madeleine. Er ist - bis 2006 - immer noch Leiter des Sommerfestivals in Aix-en-Provence. Und er ist seit ein paar Monaten Chef der Mailänder Scala.

Letzteres sollte man vielleicht nicht ganz so nebenher erwähnen. Lissner besteht nämlich, durchaus realistisch, auf der Feststellung, dass dieser Job seine "tägliche Anwesenheit" in Mailand erfordere. Kenner des Operngeschäfts sprechen sogar von einem Fulltimejob. Jedenfalls: "Die Position des Festwochen-Musikdirektors könnte auch für die Scala von Nutzen sein", meint Lissner. Und Mailath hofft, dass Lissner "weiterhin wichtige Impulse nach Wien bringt" - also zum Beispiel von Festwochenchef Luc Bondy inszenierte Opern, die Bondy vielleicht selbst nie nach Wien einzuladen gewagt hätte ...

Fasziniert von so viel Networking, erlauben wir uns nun einen kleinen bescheidenen Vorschlag: Könnte Monsieur Lissner nicht auch noch die Volksoper übernehmen? Die Synergien für ihn, die Scala und Luc Bondy wären berauschend. Und: Was ist das heute schon - ein Fulltimejob? (Claus Philipp)

Lissner will Aix nun 2006 verlassen

Wien - Stéphane Lissner, Intendant der Mailänder Scala und Musikdirektor der Wiener Festwochen, will nur mehr bis einschließlich 2006 Leiter des Opernfestivals von Aix-en-Provence sein, wie er gegenüber dem "Kurier" erklärte. Die Meldung der französischen Tageszeitung "Le Monde", Lissner wolle Aix erst 2007 aufgeben, bezeichnete er als falsch. Lissners Vertrag in Aix läuft bis 2009, der Verwaltungsrat will bis 18. November eine Entscheidung treffen. An der Scala ist Lissner ebenfalls bis Ende 2009 unter Vertrag. Die Position des Festwochen-Musikchefs lasse sich mit seinem Job an der Scala vereinbaren und sei für beide Städte gut, so Lissner. (Thomas Trenkler/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.11.2005)

Kommentar von Thomas Trenkler
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