Bush tadelt China und lobt Koizumi

24. November 2005, 12:53
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US-Präsident ruft Peking von Japan aus zur Demokratisierung auf

Noch bevor US-Präsident George W. Bush dazu kam, am Mittwoch in Kioto überschwängliche Worte für seinen Verbündeten Japan zu finden, richtete er Kritik an China. In einer Rede am ersten Tag seiner Asienreise meinte Bush: "Ich sage den Chinesen, eine freie demokratische Gesellschaft ist auch in eurem Interesse." Die chinesische Regierung solle dafür sorgen, dass alle im Wohlstand leben und es einen freien Markt gebe. Bush sprach auch von der Freiheit "ohne Staatskontrolle ,Verehrung‘ ausüben zu dürfen", also Religionsfreiheit zu gewähren. Taiwan nannte er dafür als Musterbeispiel. Die Insel ist seit 1949 von China abgespalten, die USA agieren als Schutzmacht.

Der chinesische Außenminister Li Zhaoxing, den Bush später in Peking treffen wird, antwortete via Fernsehen: "Die Chinesen genießen jeden Tag ihre Menschenrechte", und man arbeite täglich daran, "ihr Wohlbefinden zu gewährleisten".

Erst später ging der US- Präsident in einer Pressekonferenz auf Japans Premier Junichiro Koizumi als "den besten Freund, den ich in der politischen Welt habe" ein. Dies meint Bush nicht zuletzt, weil ihn Japan im Irak unterstützt und sich an diesem Engagement in Japan die Geister scheiden. Die Entscheidung, ob Japan das mit Jahresende auslaufende Irak-Mandat verlängert, steht noch aus. Koizumi nützte die Gelegenheit, seinen Kurs gegen Kritiker zu verteidigen, die meinen, er sei nur ein willfähriger Erfüllungsgehilfe der USA. Nur eine starke Allianz mit den USA bringe bessere Beziehungen zu China und Südkorea.

Ein Punkt trübte die Stimmung zwischen Bush und Koizumi: Japan ist noch nicht bereit, das Einfuhrverbot für Rindfleisch aus den USA aufzuheben. Dieses wurde verhängt, nachdem in den USA zwei Fälle von Rinderwahn bekannt geworden waren.

Bush reiste Mittwochabend nach Südkorea zu einem Wirtschaftstreffen asiatischer Staaten weiter. Am Samstag trifft er in Peking ein. (DER STANDARD, Print, 17.11.2005)

Andrea Waldbrunner aus Tokio.
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