Die Kunst des Rosinenpickens

12. Dezember 2005, 15:11
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Eine breite Streuung im Portfolio kann Risiken ausgleichen, mindert aber die Wertzuwächse - Mit wenigen, sorgfältig ausgewählten, Aktien lässt sich oft der größere Gewinn erzielen

Je breiter Aktienanlagen über einzelne Titel, Branchen und Länder gestreut werden, umso mehr sinkt das Risiko. So lautet ein gängiger Ratschlag für Investoren. Dieser Rat sei jedoch ebenso richtig wie trügerisch, erläutert Norbert Welp, Leiter des Bank- und Privatkundengeschäft von Pioneer Investments.

Denn eine breite Streuung gleiche nicht nur Effekte schlecht laufender Werte aus, sondern nivelliere auch Wertzuwächse aus den wachstumsstärksten Titeln.

Richtige Auswahl

Nur rund ein Viertel der Unternehmen einer Branche entwickle sich besser als der Branchenschnitt. Eine überdurchschnittliche Performance lasse sich in der Regel mit einer breiten Aufstellung nicht erwirtschaften. Genau dies sei jedoch Aufgabe eines aktiven Fondsmanagements: Auswahl der sichersten und renditeträchtigsten Titel.

Mit einem Stock-Picking-Ansatz würden Fondsmanager das Dilemma lösen, eine überdurchschnittliche Wertentwicklung im Vergleich zum Index bei guten Risikowerten zu erzielen.

Der Pioneer Top European Players beispielsweise erreichte mit seinem Portfolio von nur rund 30 europäischen Aktien eine bessere Wertentwicklung als der 564 Titel umfassende MSCI Europe Index, und zwar in Bullen- und Bärenmärkten. Gleichzeitig weise ein auf wenige Titel fokussiertes Portfolio eine geringere Volatilität und damit ein niedrigeres Anlagerisiko als der Index auf, so Welp.

Renditeträchtige Titel

Hinter dem Stock-Picking stehe die Grundidee, das Risiko nicht durch eine breite Streuung, sondern vorrangig durch einen vielschichtigen Auswahlprozess und ein aktives Fondsmanagement zu minimieren. Welp: "Eine gezielte Auswahl erfolgt über eine genaue Bewertung des Managements, der Geschäftsentwicklung des Unternehmens und seiner Branche.

In regelmäßigen Gesprächen überprüfen Fondsmanager, ob das Management eine Erfolg versprechende Unternehmensstrategie entworfen hat und umsetzt." So könnten sie besser einschätzen, wie realistisch die angekündigten Ziele sind.

Neben dieser qualitativen Bewertung berücksichtige der Investmentprozess die wichtigsten Kennzahlen für die Wertentwicklung. Zu ihnen gehört beispielsweise das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital.

Denn über diese Relation erhalte man Aufschluss darüber, inwieweit das Unternehmen über ausreichende Mittel zur Finanzierung seiner Geschäftstätigkeit verfügt.

Quantitative und qualitative Analyse

"Stock-Picker" vergleichen die ausgewerteten Kriterien mit denen der Wettbewerber in der Branche: Durch diese quantitative und qualitative Analyse werde das Risiko für die Anleger reduziert. Die Anzahl der Titel sei jedoch eingeschränkt, da nur die besten Aktien durch diesen aufwändigen Investmentprozess ausgesucht würden.

Anleger würden mit einem Investment in Fonds, die einen Stock-Picking-Ansatz verfolgen, daher meist besser verdienen, als mit der Zeichnung eines Zertifikats auf den Vergleichsindex. (bpf, (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.11.2005)

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    foto: der standard/matthias cremer
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