Diskussion um Zukunft des "Tal der Gefallenen"

2. Dezember 2005, 17:11
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Francos letzter Gruß: Grabmal des 1975 verstorbenen Diktators soll Franquismus-Gedenkstätte werden

Madrid - Die Dominanz ist unübersehbar: Ein 150 Meter-Betonkreuz erhebt sich über die Weite Kastiliens unweit der spanischen Hauptstadt Madrid. Es thront in der Sierra de Guadarrama über dem Valle de los Caidos (Tal der Gefallenen). Ein megalomanisches Monument als letzter Gruß von Diktator Francisco Franco, der hier vor 30 Jahren beerdigt wurde. Lange Zeit ein Wallfahrtsort der Rechten soll es nun zu einer Gedenkstätte für alle Opfer des Bürgerkriegs (1936-39) werden. Das Vorhaben ist aber unter Experten umstritten.

Rund 20.000 Männer, zum Großteil Kriegsgefangene, die während der "Guerra Civil" für die Zweite Republik gekämpft hatten, mussten die pompöse Grabstätte unter teils menschunwürdigen Bedingungen errichten. Nicht wenige gingen zu Grunde, als sie eine Riesenhöhle in das Felsmassiv schlugen. Fast zwei Jahrzehnte wurde in der Nachkriegszeit daran gebaut. Ganz demonstrativ in der Nähe des Escorial, wo sich seit Philipp II. (1527 - 1598) Spaniens Könige begraben lassen. Unter einer 42 Meter hohen Kuppel fand letztlich der "Caudillo", Francisco Franco, (1892-1975) seine letzte Ruhestätte. Hier ruht aber auch der 1936 ermordete Gründer der faschistischen Falange, Jose Antonio Primo de Rivera.

Jährliche Aufmärsche von Anhängern

Pro Jahr kommen rund 500.000 Besucher hierher, auch ausländische Touristen. Geändert hat sich seit der Beisetzung des Generalisimo nicht viel. Hinweisschilde über die tatsächliche Bedeutung des Monuments sucht man vergebens. Und im November, wenn sich der Todestag des Diktators jährt, marschieren stets die Ewiggestrigen zur Kundgebung auf. Die Regierung des sozialistischen Premiers Jose Luis Rodriguez Zapatero (PSOE) wollte nach ihrem Amtsantritt im Vorjahr neue Signale hören lassen. Kulturministerin Carmen Calvo beriet mit Opfer-Verbänden des Franquismus, das "Valle de los Caidos" in ein Dokumentationszentrum der Franco-Diktatur und ein Mahnmal für Totalitarismus sowie Unterdrückung umzuwandeln.

Besonders exponiert sind die nationalistischen Vertreter der Basken und Katalanen. Das kommunistisch-grüne Bündnis "Iniciativa per Catalunya - Verds" (Initiative für Katalonien/Grüne IC-V), das in Barcelona der Koalition des Sozialisten Pasqual Maragall angehört, will den Ort in ein "Zentrum zur Interpretation der Geschichte und des franquistischen Strafvollzugs" umwandeln.

Debatte

Vorbilder waren dabei die Gedenkstätten in den ehemaligen Nazi-Konzentrationslager Auschwitz und Mauthausen. Die "IC-V" regte sogar an, die Überreste von Primo de Rivera und Franco ihren Familien zu übergeben. Eine Idee, der auch die gemäßigten baskischen Nationalisten (PNV) etwas abgewinnen konnten. Ihrem Vorschlag zufolge sollen Franco und Primo de Rivera auf einen normalen Friedhof umgebettet werden, damit das "Tal der Gefallen" einmal zur Ruhe kommen kann.

Über diesen Plan tobt ein Streit. Teile der Linke sehen das Projekt als Schritt im Prozess der Vergangenheitsbewältigung. Wissenschafter warnen aber vor einer "Zwangsumwidmung" ohne eingehende Diskussion. Damit würde die historische Dimension des mächtigen Bauwerks wieder einmal nur kaschiert werden. Ganz in der Tradition der mangelhaften Aufarbeitung des Franquismus. (APA)

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    Diktator Francisco Franco wurde hier vor 30 Jahren beerdigt, nun soll der Ort eine Gedenkstätte für die Opfer des spanischen Bürgerkriegs werden.

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