In nur fünf Jahren alles abgeräumt

1. Dezember 2005, 12:05
posten

Kitzbüheler Skilegende feiert am 17.11. zu Hause und macht im Jänner doch noch ein Mal den Kitz-Rennleiter

Kitzbühel/Wien - Sein ganz großes Fest hat Toni Sailer bereits im September gefeiert, am kommenden Donnerstag wird es die Ski-Legende aus Kitzbühel voraussichtlich etwas ruhiger angehen können. An diesem Tag, dem 17. November 2005, feiert Sailer zu Hause seinen 70. Geburtstag. Überraschungen sind dabei nicht ausgeschlossen.

Nur fünfjährige Karriere

Zu Feiern gibt es genug für den 1935 als Anton Engelbert Sailer geborenen "Schwarzen Blitz aus Kitz", der in seiner nur fünf Jahre dauernden Karriere mit drei Olympiasiegen 1956 in Cortina und insgesamt sieben Weltmeister-Titeln (4 in Cortina, 3 in Badgastein 1958) Ski-Geschichte geschrieben hat und nach seinem Rücktritt 1959 (mit nur 23 Jahren) als Film- und Theater-Schauspieler sowie als Sänger im Showgeschäft Furore gemacht hat.

Mit 2 Jahren stand der Sohn eines Spengler- und Glasermeisters erstmals auf Skiern, mit 13 setzte er sich den Gewinn einer olympischen Goldmedaille zum Ziel. Nach einem Schien- und Wadenbeinbruch (1953) wurde Sailer 1954 aber nicht für die WM in Aare nominiert.

Cortina 1956 als Durchbruch

Dann aber kam Cortina 1956. Dort holte Sailer als 20-Jähriger drei Olympia- und vier WM-Titel und machte die 7. Olympischen Winterspiele zur Einmann-Show des jungen Mannes aus Kitzbühel mit der legendären weißen Zipfelmütze. Dieser durchschlagende Erfolg ließ ihn ein Jahr nach dem Staatsvertrag auch zu einer Symbolfigur für den Wiederaufbau Österreichs werden. Sailer wurde zu einem Jugendidol der Nachkriegszeit.

Der riesige Erfolg in Cortina "zwang" Sailer dazu, zwei Jahre später bei der Heim-WM in Badgastein beweisen zu müssen, dass dieser sensationelle und von wahren Massenhysterien begleitete Erfolg kein Zufall gewesen war. Dem jungen Kitzbüheler, der als sportliches Multitalent, Tüftler und Denker damals in punkto Training und Skitechnik seiner Zeit weit voraus war, gelang das mit drei weiteren Goldmedaillen eindrucksvoll. Der Slalom, in dem er hinter Josl Rieder Rang zwei belegte, blieb das einzige Medaillenrennen, aus dem Sailer nicht als Sieger hervorging.

Karriere als Entertainer

Schon während seiner kurzen Ski-Karriere, für die er mit dem Italiener Zeno Colo (Kraft), dem Norweger Stein Eriksen (Athletik) und seinem Landsmann Christian Pravda (Natur und Freiheit) gleich drei Vorbilder gewählt hatte, war Sailer in Kontakt mit der Filmszene gekommen. Nach seinem Rücktritt übersiedelte er nach München und dann nach Berlin, spielte 22 Hauptrollen in Kinofilmen, hatte Auftritte in Fernsehspielen und TV-Filmen und spielte in klassischen Theater-Stücken wie im "Tod eines Handlungsreisenden". 18 Schallplattenaufnahmen trugen zu seiner - vor allem in Japan enormen - Popularität bei.

1964 wandte sich Sailer vom Showbusiness ab. Er produzierte in der Folge in Kanada Ski, war von 1972 bis 1976 Technischer Direktor des ÖSV in der legendären Klammer-Ära und heiratete 1976 in Vancouver seine Frau Gabi, die mittlerweile (2000) verstorben ist. 2004 wurde Sailer selbst dank Bestrahlungen von einem Gehirntumor geheilt. Sailers Sohn heißt Florian.

Drei Mal Österreichs Sportler des Jahres

Mit der Rückkehr in die Heimat wurde Sailer u.a. als Skischulleiter aktiv, wurde Rennleiter der Kitzbüheler Hahnenkamm-Rennen, übernahm 1992 den Vorsitz des FIS-Alpinkomitees, in dem er bisher viel erreicht hat. Höhepunkt der Auszeichnungen für Sailer, der drei Mal Österreichs Sportler des Jahres war, war 1999 die logische Wahl zum österreichischen Jahrhundert-Sportler.

Seine für 2004 geplante Kandidatur als Kitzbüheler Bürgermeister zog Sailer allerdings nach wenigen Wochen wieder zurück. Dafür gibt der "Tonai" ein anderes Comeback und macht im Jänner 2006 mit 70 Jahren noch ein Mal den Rennleiter bei den Kitzbüheler Hahnenkamm-Rennen. Von diesem Amt war er vergangenen Jänner nach 20 Jahren zurückgetreten.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Sailer am Limit.

Share if you care.