Schicky-Micky-Getue

18. November 2005, 20:38
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Die Abneigung gegen Markengeschäfte hat sich für grruch wieder erneut bestätigt

Mein Grant ist frisch und deshalb umso ungehemmter. Möglicherweise schonungslos, vernichtend, ungerecht. Aber mit der Gerechtigkeit ist das bekanntlich so eine Sache. Eine sehr relative. Aber heute fühle ich mich ungerecht behandelt, nämlich um mein Recht als Kundschaft gebracht. Soeben ist mir mein grundsätzlich ausgeprägtes soziales Denken und Einfühlungsvermögen in das mitunter schwierige Schicksal von VerkäuferInnen abhanden gekommen. Vorübergehend, versteht sich. Neige ich in der Regel kaum zu Verallgemeinerungen und folglich ist mir die Übertragung von negativen Erfahrungen mit einer Person auf eine gesamte Berufsgruppe fremd.

Wobei in diesem konkreten Fall, gestehe ich, ein Vorurteil ins Treffen kam, das sich jedoch erneut bestätigt hat. Dieses bezieht sich auf Schicky-Micky-Geschäfte, die ausnahmslos Markenwaren in ihrem Sortiment führen. Damit habe ich - durch eben erläuterten Vorbehalt - nichts am Hut. Markenfetischismus überlasse ich gerne jenen ZeitgenossInnen, die verdächtig scheinen, ihre innere Leere mit äußerlich sichtbaren "Werten" aufzufüllen. Ein zumeist zum Scheitern verurteilter Kompensationsversuch.

Nun gut! Jedenfalls führte diese Abneigung dazu, dass ich mich tagelang weigerte, einen solchen Laden zu betreten, obwohl ich schon einige Male an der Auslage vorbei geschlichen war, in der dieser traumhafte Mantel hängt - ein kuschelig aussehendes Ding, das Wärmespendung versprach und nebenbei auch noch très chic aussah.

Heute nahm ich dann all meinen Mut zusammen, schluckte mein Vorurteil, atmete die kapitalistische Bedrängung tief in meinen Bauch hinunter und betrat das Geschäft. Obwohl Verkaufspersonal vorhanden und ich die einzige Kundschaft weit und breit, kümmerte sich niemand um mich. Als ich mein Interesse für den Mantel bekundete, erntete ich einen zugleich abschätzigen und gelangweilten Blick. Der Mantel in der Auslage sei das letzte Modell. Ich fragte nach der Größe und wollte das chicke Teil anprobieren. Die Verkäuferin riss ihre ohnehin aufgrund falscher Wimpern und kiloweise Lidschatten vergrößerten Augen auf und rief spitz: "Nein! Wir ziehen die Puppen nicht aus!" Ich könnte eventuell in einer Woche noch einmal mein Glück versuchen. Darauf kann ich, wie Sie vielleicht verstehen werden, verzichten, knurrt Ihr grruch.

Eine Grantkolumne
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