Koizumi verteidigt gutes Verhältnis zu Bush

22. November 2005, 19:35
posten

Japanischer Regierungschef: "Naheverhältnis mit den USA nutzt Asien"

Kyoto - Gegen die zunehmende Kritik in Asien haben die USA und Japan am Mittwoch ihre engen Beziehungen bekräftigt. Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi verteidigte das Verhältnis am Mittwoch als Vorteil für die gesamte Region. US-Präsident George W. Bush forderte während seines Besuchs in Kyoto noch mehr politische und wirtschaftliche Reformen von China.

Japan war der Auftakt von Bushs Asien-Reise, die ihn Ende der Woche auch nach Peking führen soll. Am Abend traf er zum Gipfeltreffen der Staaten des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsrates (Apec) in der südkoreanischen Hafenstadt Pusan ein.

Gegen die Kritik aus China und Südkorea, Koizumis Politik gehe zu Lasten Asiens, sagte der Regierungschef: "Es wird behauptet, dass Japan seine Orientierung verliert, wenn die amerikanisch-japanischen Beziehungen zu eng sind. Meine Haltung ist aber, dass der Aufbau guter Beziehungen zu China, Südkorea, asiatischen Ländern und der internationalen Staatengemeinschaft umso einfacher ist, je enger und fester die amerikanisch-japanischen Beziehungen sind."

Kritik an japanischem Umgang mit der Vergangenheit

Japans Beziehungen zu China und Südkorea haben sich während der vierjährigen Amtszeit Koizumis zunehmend verschlechtert. Die beiden Staaten werfen Koizumi unter anderem vor, sich nicht ausreichend von Japans militaristischer Vergangenheit zu distanzieren. Koizumi hat wiederholt eine Gedenkstätte für japanische Kriegsopfer besucht, unter denen sich auch verurteilte Kriegsverbrecher befinden.

Der chinesische Außenminister Li Zhaoxing weigerte sich am Rande der Vorbereitungstreffen für den Apec-Gipfel in Pusan, seinen japanischen Kollegen zu treffen, und zog einen Vergleich mit der nationalsozialistischen Geschichte Deutschlands: "Fragen Sie doch einmal die Europäer, wie sie sich fühlen würden, wenn ein deutscher Regierungschef den Nazis seine Ehre erweisen würde", sagte er. Ein japanischer Regierungssprecher wies den Vergleich als befremdend zurück.

Bush: Dank für Wirtschaftsreformen

Bush äußerte sich voller Anerkennung über Koizumis Wirtschaftsreformen und dankte ihm für die Beteiligung am Irak-Einsatz. Koizumi hat gegen den Widerstand in der Bevölkerung eine Entsendung von Truppen durchgesetzt, die beim Wiederaufbau helfen sollen. "Wir haben in Japan einen engen Freund, wenn es darum geht, Demokratie und Freiheit zu verbreiten", sagte er bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Koizumi.

Mit Blick auf China sagte Bush, das Land habe zwar schon etliche Schritte in Richtung einer weiteren Öffnung getan, sei aber noch nicht am Ziel angelangt. "Wenn China seine Wirtschaft reformiert, wird es feststellen, dass die Tore zu mehr Freiheit nicht mehr geschlossen werden können, sobald sie auch nur einen kleinen Spalt geöffnet worden sind." Dabei hob er als positives Beispiel für eine freie Gesellschaft Taiwan hervor, das der kommunistischen Volksrepublik als abtrünnige Provinz betrachtet wird. Bush bekräftigte das US-Engagement, Taiwan zu beschützen. (APA/Reuters)

Share if you care.