Erfreuliche Bilanz bei Knochenmarkspenden

23. November 2005, 13:02
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Innerhalb eines Jahrzehnts konnte Erfolgsquote bei Spendersuche von einem Drittel auf 90 Prozent gesteigert werden

Wien - Vor rund zehn Jahren konnte nur für ein Drittel der österreichischen Patienten, die vor allem in Folge einer bösartigen Bluterkrankung "neues" Knochenmark benötigten, ein Spender gefunden werden. Jetzt liegt die Erfolgsrate bei nahezu 90 Prozent. In diesen Tagen finden sich schon weltweit zehn Millionen potenzielle Spender von Blutstammzellen in den zwar national organisierten, aber international abrufbaren Registern, hieß es am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der Österreichischen Knochenmarkspendezentrale am Wiener AKH.

Aufgebaut hat das Register in Österreich Univ.-Prof. Dr. Agathe Rosenmayr von der Wiener Universitätsklinik am AKH. Ihre Bilanz: In Österreich haben bisher 200 Personen freiwillig und unentgeltlich für einen Leukämie- oder Tumorpatienten Knochenmark oder Blutstammzellen gespendet. In 40 Prozent der Fälle war die Spende für einen österreichischen Patienten, in 60 Prozent für Patienten in aller Welt.

Verfahrensweisen

Zellen zum Wiederaufbau eines durch aggressive Bestrahlung und/oder Chemotherapie im Verlauf von Tumor- oder Leukämie-Erkrankungen vernichteten Knochenmarks - es bildet die Blut- und Immunzellen - können aus zwei "Quellen" kommen: Herkömmlicherweise wurde Knochenmark von Spendern aus der Hüfte entnommen. Dazu ist eine Vollnarkose notwendig. Die Spender müssen für ein paar Tage ins Krankenhaus und sind meist etwa eine Woche im Krankenstand.

In den vergangenen Jahren aber hat eine andere Technik immer mehr an Boden gewonnen: Die Blutvorläuferzell-Spende. Dabei werden durch die viertägige Verabreichung von Granulozyten-Kolonie-stimulierendem Faktor (G-CSF) im Körper der Spender aus dem Knochenmark vermehrt Vorläuferzellen ins Blut ausgeschüttet und über Zellseparatoren gewonnen. Schließlich erhält der Empfänger dann diese Vorläuferzellen zum Wiederaufbau des Knochenmarks.

Hohe Zahl an potenziellen Spendern

Bisher haben in Österreich bereits rund 700 Patienten durch eine Spende von einem nicht verwandten Freiwilligen eine solche Transplantation erhalten. 70 Prozent der Eingriffe erfolgten am Wiener AKH bzw. am St. Anna-Kinderspital, die restlichen 30 Prozent an den Universitätskliniken in Graz und Innsbruck sowie in Linz. Der Knochentransplantationsbereich der Universitätsklinik für Innere Medizin I am Wiener AKH schaffte es jetzt, die internationale Akkreditierung der Internationalen Gesellschaft für Zelltherapie zu erhalten. Sie ist auch bereits nach ISO 9000:2000 zertifiziert.

Jeder Mensch, der sich in ein Knochenmark- oder Stammzell-Spender-Register aufnehmen lässt, wird genetisch auf seine Gewebemerkmale typisiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein anderer Mensch die selben Charakteristika aufweist, liegt bei eins zu 500.000. Bei mittlerweile weltweit rund zehn Millionen potenziellen Spendern liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten innerhalb von zwei bis drei Monaten versorgt werden können, bei 85 bis 90 Prozent. Ständig werden aber Personen gesucht, die sich für diesen Zweck - im Fall des Falles - bereitstellen.(APA)

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