Diskussion um Personalkosten

29. November 2005, 14:07
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Europa leiste sich teure Notenbanken, so eine Studie, die Österreich im Personalkostenranking ganz oben ansiedelt - Nationalbank spricht von falschen Zahlen

Europa leistet sich teure Notenbanken lautete das Ergebnis einer eben veröffentlichten Studie der Zeitschrift "Central Banking", die in der Dienstag-Ausgabe des deutschen "Handelsblatts" zitiert wird. Die zwölf Euro-Staaten geben drei Mal so viel Geld für Personal aus wie die US-Notenbank Fed, so das Fazit. An der Spitze befänden sich laut der Studie die Oesterreichische Nationalbank: Bei den Personalkosten pro Kopf sei sie Spitze. Das weist die OeNB entschieden zurück und siedelt sich unter dem Durchschnitt an.

Die zwölf Mitgliedstaaten der Währungsunion gaben 2004 allein für Personal 5,03 Mrd. Dollar (4,29 Mrd. Euro) aus - mehr als drei Mal so viel wie die Zentralbank der USA bei einer geringeren Wirtschaftskraft und Bevölkerung, hieß es in dem Bericht. Wenn man die Europäische Zentralbank (EZB) mit 174 Mio. Dollar einrechne, kommt das Eurosystem sogar auf Personalkosten von 5,21 Mrd. Dollar.

"Die Betriebskosten einer Zentralbank schmälern die Gewinne, die an die Regierungen ausgeschüttet werden", schreibt der Autor der Studie, Paul Brione.

Er hat sich auf den Vergleich der Personalkosten der Notenbanken der OECD-Länder beschränkt. Diese belaufen sich im Durchschnitt auf rund 60 Prozent der Betriebskosten und lassen sich einigermaßen verlässlich aus den Gewinn- und Verlustrechnungen entnehmen. Nicht immer gehe allerdings aus dem Jahresabschluss hervor, was im Einzelnen in die Personalkosten eingerechnet sei, kritisiert Brione. Außerdem sei zu berücksichtigen, dass manche Zentralbanken Zusatzaufgaben wahrnähmen, weil sie etwa für die Bankenaufsicht zuständig seien oder - wie die Banque de France - ihre eigenen Notendruckerei unterhielten.

60.000 bis 100.000 jährlich

Pro Beschäftigem wendet die Mehrheit der Zentralbanken der Studie zufolge zwischen 60.000 und 100.000 Dollar jährlich auf. Mit fast 213.000 Dollar übertrifft Österreich diese Werte bei weitem, schreibt das Blatt.

Auf Platz zwei rangiert mit 153.019 Dollar Italien, dicht gefolgt von der EZB mit 133.903 Dollar.

Die US-Notenbank Fed zahlt mit 71.595 Dollar gut die Hälfte. In der Slowakei liegt der Vergleichswert bei nur 29.100 Dollar.

Wenig erstaunlich sei, dass kleine Länder pro Kopf der Bevölkerung jährlich einen relativ hohen Betrag zahlen. Für Luxemburg sind es 43,76 und für Island 31,08 Dollar. Umgekehrt hätten aber nicht die größten Länder die niedrigsten Kosten, heißt es. Die habe mit 2,72 Dollar Großbritannien, gefolgt von Kanada mit 2,80 und Japan mit 2,91 Dollar. Frankreich komme auf stattliche 22,88 und Italien auf 21,31 Dollar. Griechenland liege mit 30,25 Dollar nicht nur bei den Personalkosten pro Kopf der Bevölkerung auf den vorderen Rängen. Mit 1.442 Dollar wende es auch pro Million seines Bruttoinlandsproduktes (BIP) den höchsten Betrag für die Zentralbankbelegschaft auf.

Einen Rückgang in den Personalkosten seit 1999 ermittelt die Studie nur in Australien, Neuseeland, Großbritannien und Norwegen. Die Deutsche Bundesbank gibt mehr für Personal aus.

"Mit Sicherheit haben die europäischen Zentralbanken Einsparpotenzial", wird Thorsten Polleit von Barclays Capital zitiert.

OeNB weist Personalaufwandszahlen als falsch zurück

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat die Zahlen über ihren Personalaufwand als nicht nachvollziehbar und unrichtig zurückgewiesen.

Entsprechend dem Geschäftsbericht der OeNB für das Jahr 2004 beliefen sich nach Angaben der Nationalbank in Wien die Personalaufwendungen auf 46,3 Prozent der gesamten Aufwendungen der Bank. Damit lägen die Personalaufwendungen des Instituts deutlich unter dem in der Studie genannten Durchschnitt der Notenbanken der OECD-Länder von 60 Prozent.

Pro Beschäftigtem beliefen sich die Personalaufwendungen auf rund 89.000 Euro, schreibt die OeNB in einer Stellungnahme am Dienstag. Einschließlich der gesetzlichen Sozialabgaben beliefen sie sich auf rund 102.000 Euro. "Sie betragen damit deutlich weniger bzw. nur rund die Hälfte des in der Studie für die OeNB angegebenen Wertes", so die Notenbank. (APA)

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