Harand-Opfer außer Lebensgefahr

16. November 2005, 20:59
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Graz 99ers-Managerin Priversek fordert nach Brutalo-Foul an Warren Norris: "Solche Spieler müssen für 20 Matches gesperrt werden"

Graz - Die Graz 99ers müssen in der Erste Bank Eishockey Liga längere Zeit ohne Warren Norris auskommen. Der 31-jährige Kanadier war am Dienstagabend im Match gegen die Red Bulls Salzburg (2:3 n.P.) von Patrick Harand 47 Sekunden vor Ende des ersten Drittels gegen die Bande gecheckt worden, anschließend mit der Stirn gegen die Bandenbegrenzung gekracht und wie ein Boxer k.o. gegangen.

Danach hatten sich auf der Eisfläche Szenen wie auf einer Intensiv-Station abgespielt. Vier Mediziner waren sofort zur Erstversorgung des in Lebensgefahr schwebenden Stürmers, der auf Grund einer Atemlähmung sogar künstlich hatte beatmet werden müssen, aufs Eis gestürmt. Der unter Schock stehende Norris hatte sich im Anschluss beim Abtransport aus der Halle sogar kurzzeitig die Infusionsnadel aus dem Arm gerissen.

Schwere Schädeldachprellung

Mittels einer Computertomographie des Schädels stellten die behandelnden Ärzte am Mittwochvormittag neben der schweren Gehirnerschütterung auch eine schwere Schädeldachprellung fest. Die Gehirnschwellung konnte über Nacht gestoppt werden, womit keine Lebensgefahr mehr bestehe. Daneben erlitt Norris, der zwölf Stunden nach dem folgenschweren Zwischenfall wieder ansprechbar war, noch eine Stauchung der Wirbelsäule. Norris muss nach Angaben des behandelnden Arztes auf jeden Fall noch bis Montag im Grazer Krankenhaus bleiben.

Der Schock bei den Grazern saß auch am Tag danach noch tief. "Wenn nicht vier Ärzte vor Ort gewesen wären, die Warren Norris noch in der Halle wiederbelebt haben, wäre der Spieler gestorben. Wir sind froh, dass die Untersuchungen keinen Hinweis auf ein Blutgerinnsel oder eine Wirbelfraktur ergeben haben und Warren wieder ansprechbar ist, das ist schon ein Riesenschritt", betonte 99ers-Managerin Silvia Priversek, die nun Handlungsbedarf von Seiten des Strafsenats sieht.

Harte Strafe gefordert

"Patrick Harand ist ja bereits wiederholt negativ aufgefallen. Und jetzt dieser folgenschwere Ellbogencheck, wobei man dazu sagen muss, dass Norris zu diesem Zeitpunkt nicht einmal die Scheibe führte. Ich fordere daher, dass ein solcher Spieler nicht für drei, sondern für 20 Matches gesperrt wird. Denn so ein Verhalten ist schädlich für den gesamten Eishockey-Sport. Sogar einige von Harands eigenen Mitspielern bei Salzburg waren entsetzt über dieses Foul", erklärte Priversek, die auch Vereins-Vizepräsidentin der Erste Bank Liga ist.

Helmut Gartner, der Vorsitzende des Strafsenats, hat Mittwoch früh bei den Grazern angefragt, ob es einen Videomitschnitt, der das Foul zeige, gebe. Auf den Fernsehbildern, die vom ORF in Graz aufgezeichnet wurden, ist laut Auskunft der ORF-Sportredaktion die Attacke zu sehen. Dieses Material kann im Zuge der Urteilsfindung zusätzlich zum Schiedsrichter-Bericht sowie zu den medizinischen Unterlagen herangezogen werden. "Eine Entscheidung in diesem Fall wird es aber erst in der nächsten Woche geben, weil das dritte Senatsmitglied derzeit auf Urlaub ist", betonte Gartner auf APA-Anfrage.

Auch Grazer Kniebügel fiel aus

Vienna-Capitals-Stürmer Oliver Setzinger war zuletzt im Oktober für seinen Ellbogencheck gegen den Grazer Peter Kniebügel vom Liga-Strafsenat mit einer Sperre für drei Pflichtspiele belegt worden. Kniebügel hatte bei der Attacke einen glatten Bruch im rechten Oberarm erlitten und fällt deshalb für die restliche Saison aus. Harand darf auf Grund der Matchstrafe, die er für das Foul an Norris erhalten hat, von den Salzburgern im nächsten Match, dem großen Schlager am Donnerstagabend in Innsbruck (19:15 Uhr/live Premiere Austria) gegen den Tabellenführer, nicht eingesetzt werden. Dies sieht das Reglement unabhängig vom Strafausmaß, das der Strafsenat festlegt, vor. (APA)

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