Martin Stranzl wird langsam sauer

1. Dezember 2005, 12:15
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Stuttgart-Legionär nimmt Teamkollegen in die Pflicht: "Alle gehen immer den einfachen Weg" - Es stellt sich Frustration ein

Mattersburg - Stuttgart-Legionär Martin Stranzl hat seine Fußball-Kollegen vom ÖFB-Challenge-Team für 2008 am Dienstag nach der 2:5-Niederlage im Future Cup gegen Deutschland in die Pflicht genommen. Der gebürtige Burgenländer kritisierte vor allem den fehlenden Mut einiger Spieler, seinen Fußstapfen zu Folgen und den Schritt ins Ausland zu wagen. Daraus werde immer ein Klasseunterschied resultieren, der sich im Testspiel gegen die inzwischen aufgelöste DFB-Auswahl 2006 deutlich manifestierte.

Stranzl betonte einmal mehr, dass es sich viele junge österreichische Kicker zu leicht machen. "Alle gehen immer den einfachen Weg, bleiben in Österreich anstatt etwas zu riskieren und sich im Ausland durchzubeißen. Das macht uns nicht besser", versicherte der 25-jährige Defensiv-Allrounder, der selbst mit 17 Jahren nach Deutschland zum TSV 1860 München ausgewandert ist. "Viele haben heute vielleicht auch die falschen Berater."

Es fehlt an allem

Tatsache ist, dass den jungen Österreichern nicht nur Klasse, sondern auch Konstanz fehlt. Neben Stranzl verdient mit Emanuel Pogatetz (Middlesbrough) nur ein Feldspieler unter 30 sein Geld in einer internationalen Topliga - und der ist vermutlich bei der Heim-EM 2008 in den ersten beiden Partien gesperrt. "Wir müssen mehr Spieler ins Ausland bringen. Das ist der einzige Weg", weiß Stranzl. Das sagt er auch in der ÖFB-Kabine immer wieder - alleine Gehör findet sein Wort dort nicht immer.

Dabei sollten gerade im Challenge-Team die Youngsters zum 1,90-Meter-Mann aufblicken, der sich in Stuttgart bis zur Ära Trapattoni einen Stammplatz erkämpft hatte. Für Projektleiter Willi Ruttensteiner hat Stranzl "Vorbildfunktion" - eine Funktion, um die sich der Stuttgarter nichts kaufen kann. "Schön langsam wird es frustrierend. Der Unterschied zwischen Deutschland und Österreich ist, dass alle jungen deutschen Spieler wöchentlich in einer starken Liga gefordert werden", meinte Stranzl nach der Pleite im Burgenland.

"Auch die Deutschen haben nichts Außergewöhnliches gemacht, haben einfachen Fußball gespielt, aber sie waren klar besser. Vielleicht hat das heute ja jemandem die Augen geöffnet", hoffte der ÖFB-Abwehrchef, der in der zweiten Hälfte im defensiven Mittelfeld vergeblich Akzente zu setzen versuchte. Auch ein Martin Stranzl begeht Fehler - so geschehen beim DFB-Treffer zum 0:2 - aber er macht sie wieder gut. Sei es mit Einsatz auf dem Feld oder im Training - diese Mentalität, immer besser werden zu wollen, vermisst der Wahl-Deutsche in Österreich.(APA)

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