Wiener Handel denkt über Sonntagsöffnung nach

8. Dezember 2005, 18:38
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Wiener WK-Präsidentin Brigitte Jank will mit Vertretern des Handels und der Tourismus-Wirtschaft klären ob es Bedarf gibt

Wien - Die Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank lässt in Sachen Sonntagsöffnung aufhorchen: Sie hat Gespräche initiiert, um abzuklären, ob es dafür in Wien Bedarf gibt. Dabei sollen vor allem Vertreter des Handels und der Tourismus-Wirtschaft an einen Tisch gebracht werden. Im APA-Interview äußerte sie außerdem Zuversicht in Sachen Weihnachtsgeschäft. Umfragen deuten demnach auf ein Umsatzplus hin.

Die Debatte um das Sonntags-Shopping war entflammt, nachdem der Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Wolfgang Katzian, Bereitschaft geäußert hatte, über eine Sonntagsöffnung in Tourismusregionen zu verhandeln.

"Ich habe gesagt, Handel und Tourismus sollen sich an einen Tisch setzen und einmal festlegen, was sie wollen", so Jank. Begleitend dazu wird es Umfragen geben. Die bis dato letzte Untersuchung stammt laut Jank aus dem Jahr 2002: "Da haben 84 Prozent der Händler gesagt, sie wollen am Sonntag nicht offen haben."

"Wir machen jetzt wieder eine Umfrage, die wir erweitern. Und zwar fragen wir in der Tourismusbranche. Denn wenn die Händler aufsperren, muss auch die Gastronomie mitziehen. Sonst ist das im Gesamtgefüge nicht stimmig", sagte Jank im APA-Gespräch. Zudem werden auch Passanten interviewt - sowohl heimische Kunden als auch Touristen.

Laut Jank dürfe man den "gesellschaftspolitischen Ansatz", der hinter einer Sonntags-Freigabe stehe, nicht übersehen: "22 Prozent der unselbstständig Beschäftigten arbeiten im Handel. Und wenn der jetzt eine Sieben-Tage-Woche bekommt, dann verändert sich sehr viel gesellschaftspolitisch. Wir haben diesen Gedanken nicht zu Ende gedacht."

Bisher sei die Diskussion sehr oberflächlich geführt worden. Und wenn von der Wirtschaftskammer ein Nein dazu gekommen sei, dann habe es geheißen: Dort sitzen die Betonierer. "Aber ich glaube, die Unternehmer sind die letzten, die sich vor Veränderungen fürchten." Es ärgere sie, dass man versuche, hier zu polarisieren. Die Unternehmer müssten das Gefühl bekommen, dass eine Sonntagsöffnung wirklich Chancen bringe - und nicht nur Kosten.

Persönlich zeigte sie sich eher skeptisch: "Natürlich gibt es Touristen, die an einem Sonntag sagen, wenn jetzt die Geschäfte offen hätten, wäre es sehr nett. Das geschieht vor allem in Städten, wo es wenig touristische Sehenswürdigkeiten gibt. Doch in Wien gibt es die. Ich glaube nicht, dass den Touristen am Sonntag langweilig ist."

Für das kommende Weihnachtsgeschäft rechnete Jank mit einer Umsatzsteigerung im Handel. Bereits im Vorjahr hat der Wiener Handel - im Gegensatz zum Bundestrend - das Weihnachtsgeschäft mit einem Plus absolviert. Der Zuwachs betrug rund ein Prozent. Auch heuer soll der Trend positiv ausfallen: Sie verwies auf die kürzlich veröffentlichte RegioPlan-Umfrage, wonach sieben Prozent der Befragten heuer mehr ausgeben wollen als im Vorjahr.

"Wir erhoffen uns heuer eine Größenordnung von zwei Prozent Plus", betonte Jank. Sie setzt auch auf Tagestouristen aus den Nachbarstaaten im Osten. Die Wirtschaft dieser Länder entwickle sich immer besser. Und seien viele Gäste von dort anfangs nur zum Schauen und Erleben gekommen, würden viele inzwischen auch Einkaufen, so die Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin. (APA)

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    Die Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank will sich mit Handel und Tourismus an einen Tisch setzen.

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