Porträt: Kurt Falk, einer der reichsten Medienmacher des Landes

27. Dezember 2005, 16:58
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Die Partnerschaft mit Dichand "war stets eine geschäftliche. Die Gefühlswelten, die da hineinprojiziert wurden, hat es, jedenfalls von meiner Seite, nie gegeben"

Gleich nach seinem Abschluss des humanistischen Gymnasiums im Jahr 1952 war Kurt Falk Kundenbuchhalter und danach Leiter des Finanzwesens bei "Persil". 1959 wurde er vom späteren ÖGB-Präsidenten und Innenminister Franz Olah mit Hans Dichand zusammengebracht. Dass Dichand den Marketing-Mann von "Persil" holte, trug Falk die nicht gerade freundliche Bezeichnung "Waschmittelverkäufer" ein. Falk war über viele Jahre hinweg die treibende kaufmännische Kraft des "Krone"-Verlags. Für die heimische Medienbranche waren die von Falk initiierten Gewinnspiele der "Krone", bei denen man unter anderem ein Millionen-Haus gewinnen konnte, völliges Neuland.

Gefühlswelten

Nach heftigen Auseinandersetzungen legte Falk 1974 die Funktion des "Krone"-Geschäftsführers zurück, nach einer Reihe von Prozessen trennten sich Falk und Dichand. Dichand kaufte Falk schließlich 1987 mit Hilfe der Essener WAZ-Gruppe für rund 2,2 Milliarden Schilling aus. "Mit Herrn Dichand habe ich, nachdem mein 'Krone'- Geschäftsanteil von ihm bezahlt war, nie wieder etwas zu tun gehabt. Diese Partnerschaft war stets eine geschäftliche. Die Gefühlswelten, die da hineinprojiziert wurden, hat es, jedenfalls von meiner Seite, nie gegeben", meinte Falk vor einigen Jahren in einem Interview zu seinem Verhältnis zu Dichand.

"Ganz ohne Scheckhefte"

Noch während seines "Krone"-Engagements hatte Falk - nach zwischenzeitlichen Versuchen mit Speiseeis, Holzhandel und "Matador"-Spielzeug - 1985 "Die Ganze Woche" gegründet. Reichweitenerfolge schaffte er hier rasch. Bis ins Jahr 2004 erreichte die Wochenzeitung über 1,1 Millionen Leser. Die "Ganze Woche" verkaufe "ganz ohne Scheckhefte" mehr "als das bestverkaufte Produkt aus dem Hause Fellner", sagte Falk dazu einmal.

Foto: Reuters/Halada

Der Tageszeitungsmarkt ließ Falk dennoch nicht los. Nach der Auseinandersetzung um die "Krone" versuchte er sich 1992 neuerlich im Tageszeitungsgeschäft und gründete "täglich Alles". Mit dem bunten Billigblatt schaffte er es hinter der "Kronen Zeitung" auf Platz zwei des Tageszeitungsmarktes. Schlagzeilen wie "Klestil, wann gibst du die Löffler ab?" oder "Schweinchen Babe ist tot - Sie haben einfach Wiener Schnitzel aus ihm gemacht" sorgten für Aufregung. Relativ bald ging es aber mit den Leserzahlen wieder bergab.

Internet statt Print

Im Sommer 2000 sorgte Falk mit der Einstellung der Printausgabe von "täglich Alles" schließlich für einen Knalleffekt.

Foto: APA/Schneider

Das Internet sei ein ausreichender Vertriebsweg, beschied er. Nicht sehr lange allerdings, denn auch im World Wide Web segnete "täglich Alles" bald das Zeitliche.

"Arche Noah"

In den vergangenen Jahren lebte der eigenwillige Verleger zurückgezogen. Im Sommer 2001 hatte er sich offiziell aus dem Zeitungsgeschäft zurückgezogen. "Was mich anlangt, so sehe ich mich als in den Ruhestand eintretend", hatte er damals erklärt. Seine Wochenzeitung die "Ganze Woche" hatte er inzwischen an eine Firma verkauft, die sich im Eigentum seiner Söhne Samuel und Noah befindet. Falk hatte einen Nahebezug zu Biblischem, der sich nicht nur im Namen seiner Söhne wiederfand, sondern auch im Namen der Familiapress-Druckerei in Wien-Floridsdorf, die intern den Namen "Arche Noah" erhielt.

Foto: APA/Artinger

2002 wurde Falk doch noch einmal verlegerisch aktiv und lancierte das Kochmagazin "Feinspitz". Der Titel war jedoch nur kurz als eigenständiges Produkt auf dem Markt und wurde schließlich Teil der "Ganzen Woche".

Unberechenbarkeit und einsame Entscheidungen wurden Kurt Falk Zeit seines Lebens nachgesagt. Mit seinem unkonventionellen unternehmerischen Stil und ausgeprägtem Marketing-Geschick wurde Falk aber einer der größten und reichsten Medienmacher des Landes. (APA)

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