Raiffeisen holt für Kasernen-Deal Hypo Niederösterreich ins Boot

29. November 2005, 14:17
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Raiffeisen Holding NÖ-Wien hat ihr Interesse an Heereskasernen präzisiert, sie will mit der Hypo NÖ die Ausschreibung gewinnen

Wien - Die Raiffeisen Holding NÖ-Wien, zu deren Schlüsselbeteiligungen unter anderen Agrana, Leipnik-Lundenburger, NÖM, RLB, und Strabag gehören, will weiter expandieren - in Österreich vor allem durch Projektentwicklungen. Gute Chancen rechnet sich Holding-Chef Erwin Hameseder bei den zum Verkauf stehenden Kasernen aus.

"Wir würden diese Liegenschaften in Zusammenarbeit mit den Ländern und Kommunen entwickeln", sagte Hameseder am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Eine eigene Projektgesellschaft, die am Montag dieser Woche aus der Taufe gehoben wurde, soll die nötigen Vorarbeiten leisten. Die Raiffeisen Holding ist daran mit 75 Prozent beteiligt, die Hypo NÖ hält 25 Prozent.

Wie berichtet, hat Verteidigungsminister Günther Platter im Vorjahr angekündigt, Kasernen im Wert von "bis zu einer Milliarde Euro" zu verkaufen. Mit dem Geld soll die Bundesheerreform finanziert werden. In einer Studie wurden alle Kasernen und Liegenschaften des Heeres mit drei Milliarden Euro bewertet.

Filetstücke und andere

Hameseder, der als Oberst der Miliz selbst Mitglied der Heeresreformkommission war, sprach am Dienstag von etwa zehn Liegenschaften, die in Niederösterreich (sechs bis sieben) und Wien (drei bis vier) zur Ausschreibung gelangen könnten.

"Wahrscheinlich werden Filetstücke und weniger attraktive Liegenschaften zusammengeschnürt", sagte Hameseder. Insgesamt gehe es um etwa eine Million Quadratmeter. Konkurrenten seien große ausländische und inländische Immobilienfonds.

Bei dem in Wiener Neustadt geplanten Krebsforschungs-und -behandlungszentrum MedAustron setzt Raiffeisen auf Siemens. Gespräche mit weiteren potenziellen Partnern seien im Laufen, Raiffeisen strebe eine Drittelbeteiligung an. Stichtag für die Abgabe der Unterlagen für die Präqualifikation ist der 1. Dezember, bis Oktober 2006 soll der Zuschlag erfolgen. Die Fertigstellung für das knapp 120 Millionen Euro teure Projekt ist für 2009 vorgesehen.

Unglücklich ist Hameseder über die Verzögerung beim Projekt Nordautobahn (A5), wo Raiffeisen mit Strabag und anderen in einem Konsortium sitzt. Sollte die Asfinag den Bestbieter bis März nicht ermittelt haben, sei der angepeilte Baubeginn Mitte 2006 kaum zu halten.

Finanzielle Hilfe für NÖM

Finanzielle Hilfe stellte Hameseder dem Milchverarbeiter NÖM in Aussicht, sollten sich interessante Übernahmemöglichkeiten in Südosteuropa auftun. Derzeit werde gerade "strategisch analysiert". Zufrieden zeigte sich Hameseder mit der wirtschaftlichen Entwicklung; alle Teilkonzerne, in denen in Summe rund 80.000 Mitarbeiter beschäftigt sind, seien gut unterwegs.

Allein im Vorjahr habe sich der Wert der von der Raiffeisen Holding gehaltenen maßgeblichen Beteiligungen um 25 Prozent oder 750 Millionen Euro erhöht. Die Dividendenrendite habe 5,6 Prozent betragen und werde auch heuer ähnlich hoch ausfallen. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.11.2005)

  • Interessiert sich für Heereskasernen: der Chef der Raiffeisen Holding NÖ-Wien, Erwin Hameseder.
    foto: standard/cremer

    Interessiert sich für Heereskasernen: der Chef der Raiffeisen Holding NÖ-Wien, Erwin Hameseder.

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