Hoffen auf Wertsteigerung

15. November 2005, 19:13
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Bereits 2007 will MAK-Chef Peter Noever den CAT eröffnen

Wien - Peter Noever, Direktor des Museums für angewandte Kunst, will das schier Unglaubliche wahr machen: Obwohl es keine Baubewilligung gibt, soll der NS-Geschützturm im Arenbergpark, derzeit ein MAK-Schaulager, bis 2007 um gut 20 Millionen Euro in den Contemporary Art Tower, kurz CAT, umgebaut sein. Und bereits im Eröffnungsjahr, eben 2007, würden seinen Prognosen nach 100.000 Besucher die "Sammlung des 21. Jahrhunderts" besichtigen.

Welche Kunstwerke man zu sehen bekommen werde, verriet Noever bei der Präsentation des "Business Concept" am Dienstag nicht. Aber eine Feststellung war ihm und Mitstreiter Johannes Strohmayer, Präsident des Vereins CAT Group, ganz wichtig: dass bereits im Eröffnungsjahr 2007 ein "positives Betriebsergebnis" erzielt werden könne, eine Subvention durch die öffentliche Hand daher nicht vonnöten sei. Denn jeder Besucher werde durchschnittlich fünf Euro Eintritt zahlen, in zehn Jahren sogar neun.

Zum Vergleich: Das MAK lukrierte im Vorjahr pro Besucher gerade einmal 1,36 Euro, die Kunsthalle Wien 1,88 Euro. Dieses Argument wischten Noever/Strohmayer sogleich vom Pult: Der Betreiber werde eben kein Bundesmuseum, sondern zum Beispiel eine Kommanditgesellschaft sein.

Informelle Gespräche

Realisieren will man das Projekt als Private Public Partnership: Der Eigentümer, die Bundesimmobiliengesellschaft, investiere zwei Millionen Euro, der Bund und die Stadt Wien müssten je 3,5 Millionen beisteuern, die restlichen elf Millionen bringe die CAT Group unter anderem über Pächter (Restaurant) und mithilfe von Investoren (wie dem US-Ehepaar Fredrick und Laurie Samitaur Smith) auf.

Es gebe zwar noch keine Beschlüsse der öffentlichen Hand, sagte der Investmentbanker Strohmayer, sehr wohl aber Zusagen. Doch Andreas Mailath-Pokorny, der Wiener Kulturstadtrat, und auch das Büro von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer verneinen dies gegenüber dem STANDARD. Über das "großartige Projekt" habe es bloß Gespräche auf informeller Ebene gegeben.

Bei ihrer Pressekonferenz erinnerten Noever und Strohmayer zudem daran, dass eine große Lücke in den Beständen der Bundesmuseen nur durch den teuren Ankauf der Klimt-und Schiele-Schätze von Rudolf Leopold geschlossen werden konnte. Daher sei es sinnvoll, die Kunst dieses Jahrhunderts gleich von Beginn an zu sammeln: Künstler sollen Werke für den geschichtsträchtigen Ort schaffen.

Allerdings werde nicht für den Bund gesammelt. Denn die Kunst im Besitz der Republik ist bekanntlich unveräußerliches Gut. Die Refinanzierung der privaten Investitionen hingegen soll über die Wertsteigerung der Kunstwerke, die auch als Sicherstellung für Kredite dienen können, erfolgen: Strohmayer denkt etwa daran, "Doubletten" am Kunstmarkt zu verkaufen . . . (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16. 11. 2005)

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