Polen: Ernennung von Frauenbeauftragter ausgesetzt

18. November 2005, 13:12
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Regierungspartei gegen künstliche Befruchtung - Kluzik-Rostkowska outete sich als Befürworterin

Warschau - Der Protest des nationalkatholischen Senders Radio Maryja gegen die designierte Frauen- und Familienbeauftragte der polnischen Regierung zeigt einen ersten Erfolg: Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz von der rechtskonservativen PiS (Recht und Gerechtigkeit) hat die Ernennung von Joanna Kluzik-Rostkowska vorerst ausgesetzt. Die Kritik von Radio Maryja betrifft ein Interview, in dem sich Kluzik-Rostkowska als Befürworterin der künstlichen Befruchtung bezeichnete. Dieser Eingriff ist in Polen zwar erlaubt, die Regierungspartei PiS ist aber strikt gegen eine Unterstützung durch die Krankenkassa.

Ministerpräsident Marcinkiewicz werde nun zunächst ein Gespräch zum Problem der künstlichen Befruchtung mit der designierten Frauenbeauftragten führen, erklärte der Sprecher der PiS-Minderheitsregierung Konrad Ciesiolkiewicz am gestrigen Montag. Gleichzeitig wächst der Protest unter den Abgeordneten der Regierungspartei. Die Aussagen von Kluzik-Rostowska seien "für viele in der PiS nicht akzeptabel", erklärte etwa Tadeusz Cymanski in einem Interview für Radio Maryja.

Die designierte Regierungsbeauftragte indes wirbt bei ihren KritikerInnen um Verständnis: "Als Mutter von drei Kindern verstehe ich den Schmerz und die Leiden von Familien, die auf normalem Weg kein Kind bekommen können", erklärte sie gegenüber der Tageszeitung "Gazeta Wyborcza".

Kirchenschelte

Am ausführlichsten begründete ihre Kritik an Kluzik-Rostkowska die zu Radio Maryja gehörige Tageszeitung "Nasz Dziennik" in ihrer Ausgabe vom gestrigen Montag. Der Standpunkt der katholischen Kirche in dieser Frage sei klar ablehnend und betrachte die künstliche Befruchtung als einen "Anschlag auf das Leben", heißt es dort. Damit ist die gängige Praxis gemeint, bei der nicht verwendete Embryonen vernichtet werden.

Nach Schätzungen der Medizinischen Akademie im ostpolnischen Bialystok gibt es in Polen über eine Million Ehepaare mit mindestens einem unfruchtbaren Partner, von denen etwa 250.000 mit Hilfe der künstlichen Befruchtung Kinder bekommen könnten. Die neue polnische Regierung hatte europaweit Proteste ausgelöst, als sie kurz nach Amtsübernahme den Posten der Gleichstellungsbeauftragten abgeschafft hatte. (APA)

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