Historische Bauten, bedrohlich

16. November 2005, 21:46
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Die Luftschutzbauten der NS-Zeit wären doch faszinierende Dokumente einer Zeit, die jüngeren Menschen fast so fremd scheint wie die Kreuzzüge, so Marcello La Speranza

Er habe sich, erklärte Marcello La Speranza, immer gewundert, wieso Archäologen Befestigungsanlagen aus der Römerzeit penibel dokumentieren - aber für jüngste Belege menschlicher Grausamkeit oft kein Auge haben. Dabei, meint La Speranza, wären doch die Luftschutzbauten der NS-Zeit faszinierende Dokumente einer Zeit, die jüngeren Menschen fast so fremd scheint wie die Kreuzzüge. Deshalb sammelt der Wiener Archäologe seit Jahren alles über Flaktürme und Luftschutzräume - und eröffnete am Dienstag im Josephinum, dem Institut für Geschichte der medizinischen Universität (9., Währinger Straße 25), eine einschlägige Ausstellung, die mehr als nur die Geschichte von Flakturm und "Kuckuck" erklärt. Etwa, so La Speranza, "auch die Diskrepanz zwischen dem Anspruch des NS-Regimes, immer siegreich zu sein - und der gleichzeitigen Vorbereitung auf Rückzug, Niederlage und Vernichtung." (DER STANDARD; Printausgabe, 16.11.2005)
  • Zeitgeschichte - und doch fast vergessen: La Speranza mit einer Gasschutzmaske für Kleinkinder in seiner Luftschutz-Ausstellung.
    foto: rottenberg

    Zeitgeschichte - und doch fast vergessen: La Speranza mit einer Gasschutzmaske für Kleinkinder in seiner Luftschutz-Ausstellung.

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