"Mehrwert" für Wiener EU-Vorsitz

17. November 2005, 10:38
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Schüssel: Wien als Dialogzentrum - Plassnik: Gemeinsam gegen Fanatismus auftreten

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat sich am Dienstag über das "unglaubliche Interesse" an der Islamkonferenz in der Wiener Hofburg gefreut. Die Veranstaltung unterstreiche den Standortvorteil Wiens als Platz für den Dialog der Zivilisationen und Kulturen, meinte Schüssel am Dienstag nach dem Ministerrat. Er sieht in der Veranstaltung außerdem einen wichtigen "Mehrwert" im Vorfeld der österreichischen EU-Präsidentschaft.

Während des österreichischen EU-Vorsitzes will das Außenministerium im Zusammenarbeit mit der islamischen Glaubensgemeinschaft Österreichs eine weitere Konferenz der europäischen Imame durchführen. Dies kündigte Außenministerin Ursula Plassnik bei der Islamkonferenz an. Ein solches Treffen islamischer Geistlicher hatte bereits im Juni 2003 in Graz stattgefunden.

"Europäische Realität"

Der Islam sei längst "Bestandteil unserer europäischen Realitäten" geworden, sagte Plassnik. "Wir müssen den Dialog der Kulturen realitätsnäher, mit mehr Bodenkontakt führen." Ein neues Denken und Handeln sei erforderlich, da die Modelle der Vergangenheit "im globalisierten Dorf nicht mehr anwendbar sind". Außenministerin Ursula Plassnik forderte außerdem ein gemeinsames Auftreten gegen Fanatismus und Extremismus.

In diesen Tagen beschäftigen "verstörende Bilder" die Öffentlichkeit, sagte Plassnik unter Hinweis auf die jüngsten Anschläge in Amman und die gewalttätigen Aktionen Jugendlicher in den französischen Vorstädten. Beide Vorkommnisse haben nach den Worten der Außenministerin keinen direkten Bezug zum Islam, doch werde ein solcher Bezug hergestellt. Der Kampf gegen den Terror sei ein gemeinsames Anliegen der Weltgemeinschaft. Es sei falsch, Terrorattentate als ein Produkt von Religionen darzustellen.

Mehr Verantwortung

Plassnik rief die Gesellschaft zu "größerem Verantwortungsgefühl im Miteinander" auf. Es sei inakzeptabel, das Existenzrecht von Staaten infrage zu stellen. Die Ministerin unterstrich die Universalität der Menschenrechte und räumte ein, dass es in islamischen Ländern einen unterschiedlichen Zugang zu Ordnungsprinzipien gebe, auch hinsichtlich der Rechte der Frauen.

Außenamtschefin Plassnik sagte, die Zeit sei einfach reif für eine neue Etappe des Dialogs mit dem Islam. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 16.11.2005)

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    Ursula Plassnik hat die EU-Präsidentschaft vor Augen und will eine Nachfolgekonferenz mit Imamen im Frühjahr organisieren.

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