RAU: Trauma 1683?

15. November 2005, 18:01
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Französischer Islamexperte: Muslime in demokratische Gesellschaft des Kontinents integrieren

Bei der großen Islamkonferenz in Wien – ein Zeichen dafür, dass unsere Außenpolitik in Zusammenarbeit mit NGOs auf eine kluge Weise offensiv wird – hat der renommierte französische Islamexperte Gilles Kepel für einen EU- Beitritt der Türkei plädiert. Allerdings mit einer teilweise fragwürdigen Begründung: Europa müsse das Trauma, das von der Belagerung Wiens 1683 durch die Ottomanen herrühre, überwinden, um die Muslime in die demokratische Gesellschaft des Kontinents zu integrieren, sagte der Berater des französischen Präsidenten Chirac. Das wäre ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen den Terrorismus.

Frage: Wer zum Kuckuck hat in Europa oder auch in Österreich ein "Trauma" wegen 1683? Es war knapp damals und das Osmanische Reich war ein aggressiver Eroberer und Unterwerfer. Aber das spielt heute keine Rolle im Denken der Menschen mehr.

Die Türkei ist noch lange nicht beitrittsreif und wenn sie es dereinst werden sollte, dann ist immer noch die Frage, ob ein Beitritt nicht die EU zerstört.

Für einen Beitritt spricht am ehesten, dass die Minderheiten und die Liberalen in der Türkei ihn sehnlichst wünschen, um sich gegen die Reaktionäre zu Hause durchsetzen zu können. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.11.2005)

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