Commerzbank vor Übernahme von Eurohypo

29. November 2005, 14:17
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Deutsche Commerzbank will Europas größten Immobilienfinanzierer Eurohypo um geschätzte vier bis fünf Milliarden Euro übernehmen

Frankfurt - Die deutsche Commerzbank will Europas größten Immobilienfinanzierer Eurohypo übernehmen und damit zur Nummer zwei der deutschen Bankenbranche aufsteigen. In Verhandlungen mit den beiden anderen Großaktionären der Eurohypo AG, dem Branchenprimus Deutsche Bank und der Dresdner Bank, sei "in allen wesentlichen Verhandlungspunkten Einigung erzielt" worden, teilte die Commerzbank am Dienstag in Frankfurt mit. Sprecher der Deutschen Bank und des Dresdner-Bank-Mutterkonzerns Allianz bestätigten die Verhandlungen.

Aufstieg zu zweitgrößtem Kreditinstitut

Mit der Übernahme der Eurohypo steigt die Commerzbank zum zweitgrößten Kreditinstitut in Deutschland auf. Über den Kaufpreis wurde offiziell nichts bekannt. Analysten schätzten ihn auf 4 bis 5 Mrd. Euro. Zur Finanzierung der Transaktion soll auch der Verkauf des 2,9-prozentigen Anteils der Commerzbank an der italienischen Banca Intesa beitragen, der ebenfalls am Dienstag bekannt gegeben wurde. Experten erwarten, dass bei der Commerzbank zudem eine Kapitalerhöhung notwendig wird.

Die Großbank, die 31,84 Prozent der Eurohypo hält, will auch die Anteile der Deutschen Bank (37,7 Prozent) und der Dresdner Bank (28,5) kaufen. "Wir würden dadurch zur führenden Geschäftsbank innerhalb Deutschlands mit Schwerpunkt Finanzierungen aufsteigen", erklärte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller.

Bei der Eurohypo, die rund 2.400 Mitarbeiter hat, wurde die Nachricht überwiegend positiv aufgenommen. "Es ist gut, dass überhaupt etwas entschieden wurde", sagte eine Sprecherin der dpa. "Positiv für uns in dieser neuen Konstellation ist, dass die Eurohypo ihre Eigenständigkeit behält."

Stellung um umkämpften Bankenmarkt sichern

Die Commerzbank, die regelmäßig selbst als Übernahmekandidatin gehandelt wird, will mit dem Erwerb ihre Stellung im umkämpften Bankenmarkt sichern. "Die Übernahme stärkt unsere Position in Deutschland bei unseren wichtigen Kundengruppen", betonte ein Commerzbank-Sprecher. Deutschlands drittgrößte börsennotierte Bank betreut vor allem Privatkunden und den Mittelstand. Die Eurohypo hat ihren Schwerpunkt bei gewerblichen Kunden und der Staatsfinanzierung.

Die Eurohypo war 2002 aus den Hypothekenbank-Töchtern von Deutscher, Dresdner und Commerzbank hervorgegangen. In den ersten neun Monaten 2005 verdiente das Institut mit Sitz in Eschborn bei Frankfurt vor Steuern 497 Mio. Euro und erzielte im Neugeschäft den Rekordwert von 50,1 (Vorjahr: 17,6) Mrd. Euro. Bei Gründung der Hypothekenbank hatten Deutsche und Dresdner Bank schon angedeutet, sich mittelfristig von der Beteiligung trennen zu wollen.

Bieterbewerb

Den Plan, in diesem Herbst weitere Anteile der Eurohypo an die Börse zu bringen, hatten die Großaktionäre gestoppt, weil sie eine zu geringe Bewertung des Unternehmens befürchteten. Für zusätzliche Unruhe hatten zuletzt Meldungen gesorgt, der Konkurrent Hypo Real Estate strebe eine Übernahme der Eurohypo an. Ein Sprecher der Münchner Immobilienbank wollte sich zur Ankündigung der Commerzbank nicht äußern. In Finanzkreisen wird nicht erwartet, dass die Hypo Real Estate in einen Bieterwettstreit einsteigt.

Die Verhandlungspartner hüllten sich zu Details in Schweigen. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte nur: "Ich kann bestätigen, dass wir mit der Commerzbank über den Kauf unserer Anteile verhandeln." Eine Sprecherin des Versicherungskonzerns Allianz sagte: "Wir sind in aussichtsreichen Verhandlungen mit der Commerzbank." Die Allianz ist wie andere Finanzkonzerne dabei, ihr ursprünglich dichtes Netz an Beteiligungen aufzulockern. "Die Eurohypo ist eine der letzten großen Beteiligungen im Portfolio", erläuterte die Allianz-Sprecherin. (APA/Reuters)

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