Natura 2000 soll die Tamariske schützen

17. November 2005, 09:52
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Neue Runde im Streit um Isel-Nominierung

Umweltdachverband, Österreichischer Alpenverein (ÖAV) und das Kuratorium Wald drängen erneut darauf, die Isel für das europäische Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 nachzunominieren. Mit einer österreichweiten Vergleichsstudie belegen die Umweltverbände die geforderte Einzigartigkeit der Isel auf den 26 Kilometern zwischen Matrei in Osttirol und Lienz. Es geht um die Bestände an der Deutschen Tamariske (Myriacaria germanica). Der gelb blühende, ein bis zwei Meter hohe Strauch fühlt sich auf den Sandbänken des Gletscherflusses besonders wohl.

Vergleichbar sind nur die Vorkommen am Lech, jene an der Isel aber als bedeutender einzustufen. Für Peter Haßlacher (ÖAV) ist durch die Studie die ausstehende Beweissicherung im nationalen Maßstab "voll erfüllt".

"Von internationaler Bedeutung"

Harald Nikfeld vom Institut für Botanik der Uni Wien bezeichnet die Vorkommen an der Isel aus "wissenschaftlicher und naturschutzfachlicher Sicht von internationaler Bedeutung und für unersetzlich". Gerhard Heilingbrunner (Umweltdachverband), Andreas Tschugguel (Kuratorium Wald) und Haßlacher verlangen nun, dass Tirol beziehungsweise die Republik Österreich die Isel endlich nachnominieren. Alles andere würde einen Verstoß gegen die Flora-Fauna-Habitat- Richtlinie darstellen. Ein Antrag für ein Vertragsverletzungsverfahren beim EuGH wurde bereits eingebracht.

Im Büro von Umweltschutzlandesrätin Anna Hosp (VP) sieht man keinen Grund, an der ablehnenden Haltung etwas zu ändern. Bereits 2003 hat die zuständige Fachabteilung darauf verwiesen, dass die Deutsche Tamariske "innerhalb der bereits gemeldeten Gebiete ausreichend abgedeckt" sei. Daran ändere auch die neue Studie nichts, betont ein Mitarbeiter Hosps.

Hintergrund: Umstrittenes Pumpspeicherkraftwerksprojekt

Zum Hintergrund der Auseinandersetzung zählt das umstrittene Pumpspeicherkraftwerksprojekt Matrei-Raneburg wenige Kilometer nördlich. Dessen Betrieb hätte gewässerökologisch massive Auswirkungen und würde den Lebensraum der Tamariske massiv gefährden, betont Heilingbrunner. (hs/DER STANDARD; Printausgabe, 16.11.2005)

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