Soziale Ziele kommen beim Informations­gipfel zu kurz

16. November 2005, 12:26
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Der Konflikt um die Zukunft der Internet­verwaltung verdrängt auf dem Weltgipfel der Informations- Gesellschaft das Thema, wie die digitale Kluft überwunden werden kann

Die Auseinandersetzung um die Frage, wer und von welchem Land aus das Internet künftig verwalten wird, drängt ein wichtiges Thema des World Summit of Information (WSIS) an den Rand: Wie können weniger entwickelte Länder vom Internet profitieren und wie kann das finanziert werden.

Nur 14 Prozent haben weltweit Zugang zum Internet

Weltweit haben derzeit nur 14 Prozent der Bevölkerung Zugang zum Internet. Eine bescheidene Zahl, nimmt man die USA zum Vergleich, wo etwa 62 Prozent der Menschen online sind, in den westeuropäischen Ländern liegt die Zahl sogar noch darüber.

Dabei hatten sich die Teilnehmer beim ersten Weltgipfel der Informationsgesellschaft in Genf im Jahr 2003 darauf verständigt, dass bis 2010 jede einzelne Stadt der Welt am Netz und bis 2015 wenigstens die Hälfte der Menschheit online sein soll.

Digital Solidarity Fund

Eines der aus Genf hervorgegangenen finanziellen Projekte, die digitale Kluft zwischen Industrie- und Dritte- Welt-Staaten zu überwinden, ist der durch afrikanische Initiative im März 2005 gegründete Digital Solidarity Fund (DSF), der ausschließlich mit freiwilligen Beiträgen gefüttert wird. Sein derzeitiges Budget beläuft sich auf gerade einmal 6,4 Mio. Dollar.

"Mehr finanzielle Mittel"

"Wir benötigen einfach mehr finanzielle Mittel", stellt die DSF-Projektmanagerin Elena Ursache nüchtern fest. Sie hofft dabei weniger auf einmalige Beiträge von Ländern und Städten als vielmehr auf einen kontinuierlichen Zustrom, wie die Schweizer Stadt Genf, Hauptquartier der Organisation, in Aussicht gestellt hat. Der Genfer Beitrag rekrutiert sich aus Aufträgen, die die Stadt für IT-Projekte vergibt: Die Unternehmen, die den Auftrag erhalten, müssen ein Prozent der Projektsumme zur Verfügung stellen.

Gipfel gefährdet

Ob in Tunis noch weitere Hilfen für Dritte-Welt-Länder beim Zugang zur Informationstechnologie diskutiert werden können, ist offen. Denn wegen des zugespitzten Streits über die zukünftige Verwaltung des Internets, halten Beobachter ein Scheitern des Gipfels nicht mehr für ausgeschlossen. Überschattet wird das Welttreffen zudem von schweren Vorwürfen an die tunesische Regierung unter Präsident Zine el Abidine Ben Ali, Pressefreiheit und Menschenrechte zu missachten. (kat/DER STANDARD, Printausgabe, 16.11.2005)

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