Frauen sind auch nur Tiere

16. November 2005, 18:28
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Es war gestern. Und seither ist G. beruhigt. G. war nämlich bei den Chippendales ...

Es war gestern. Und seither ist G. beruhigt. G. war nämlich bei den Chippendales. Das habe, sagt G., ihm seine Ruhe wieder gegeben.

Zu den Strippern hatte ihn eine Freundin mitgenommen G. Das sei schon länger ausgemacht gewesen und er könne sich auch nicht mehr wirklich an die Umstände erinnern. Auf alle Fälle aber war er Montagabend im Museumsquartier und hat mit eigenen Augen gesehen, wie Frauen aller Alters-, Sozial- und Bildungsschichten sich binnen Minuten in einen Mob triebgesteuerter, hirnloser und sabbernder Furien verwandelten.

Muskelberge

Und zwar nur, weil sich oben auf der Bühne ein paar Muskelberge aus dem Klischeehandbuch ihrer Kleider entledigten und sich dann zwischen die Beine griffen: Kreischend, pfeifend, gröhlend und keuchend habe der weibliche Mob getobt, referierte G. danach sichtlich beeindruckt: Derartige Tiefen habe er nicht einmal in seiner Bundesheerzeit oder in sonst einer männerherrlichen, frauenlosen Gruppe erlebt.

Am schönsten, erzählt G., sei es gewesen, als eine Frau auf die Bühne geholt wurde. Und zuerst scheinbegattet wurde und dann selbst zugreifen durfte. Oder halt beinahe zugreifen durfte: Die Wogen von hemmungslosem Neid und ungezügelter Begeisterung hätten auch ihn – der er doch sonst gar nicht an geölten Muskelmännern interessiert ist – fast umgerissen. Er habe sich zu einem langgezogenen Pfiff hinreissen lassen, gestand G.

Schwulenclub

Aber das sei ein Fehler gewesen: Eine junge Dame habe ihn umgehend angefahren, sich ja nicht einzubilden, hier einen Auftrag zu haben: „Die Chippendales gehören uns – geh doch in eine Schwulenbar“, sei er angefahren worden.

Aber dorthin wird er mit seiner – nach dem Männerstrip ob ihrer eigenen Aufgelöstheit mehr als nur peinlich berührten – Freundin nicht gehen: Nächste Woche nimmt G. die Dame aber dennoch mit. Das war nämlich Teil des Deals: Die Freundin wollte in eine möglichst „tiafe“ Striphütte mitgenommen werden. Aber seit den Chippendales, triumphiert G., weiß er, dass er sich für nichts, was da passieren oder zu sehen sein könnte, auch nur im Geringsten genieren muss.

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von Thomas Rottenberg

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