Auszeichnung für Barbara Frischmuth

15. November 2005, 12:44
posten

Verleihung des "Ehrenpreises des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln" zu Beginn der Österreichischen Buchwoche

Wien - Mit der Verleihung des "Ehrenpreises des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln" an die Autorin Barbara Frischmuth wurde Montag Abend im Wiener Rathaus die 58. Österreichische Buchwoche eröffnet. Die mit 7.200 Euro dotierte Auszeichnung "ehrt und freut mich ungemein", sagte Frischmuth (64), denn Toleranz sei eine "Einstellung gegenüber den Menschen, zu der ich mich gerne bekenne".

In ihrem Werk pflege sie das "ständige und beständige Nachdenken, warum es in der menschlichen Gesellschaft immer wieder zu Intoleranz kommt", sagte die am 5. Juli 1941 im Altaussee geborene Frischmuth. Die Intoleranz habe ihre "grauslichste Form" im Rassismus gefunden, so Frischmuth, die eine "neue Intoleranz" und eine "schleichende Pauschalisierung und die daraus resultierende pauschale Ablehnung" anprangerte.

"Toleranz muss einhergehen mit Intoleranz gegen Intoleranz"

"Wir sind Anfänger im Miteinander-Leben", der Rassismus sei jedoch "raffinierter", nämlich zu einem "Konglomerat von Herkunft, religiöser Prägung und sozialem Status" geworden, sagte Frischmuth. Beide Seiten müssen "den Alltag meistern", "und das gelingt nur, wenn wir uns von gleich zu gleich verhalten". Dabei seien beide Seiten gefragt: Es gebe eine "Bringschuld von denen, die hier leben und arbeiten wollen". Und "es wird Zeit, dass wir lernen, ihre Namen richtig auszusprechen, bevor auch bei uns die Autos brennen".

"Toleranz muss einhergehen mit Intoleranz gegen Intoleranz", sagte zuvor Laudator Thomas Rothschild, der sich mit dem Begriff Toleranz auseinander setzt. Frischmuth sei "neugierig auf das Fremde, Andersartige" und stehe in der "Tradition der Aufklärung - ein besseres Wort als Toleranz. In Österreich verwechselt man Toleranz gerne mit Standpunktlosigkeit".

Beginn der Buchwoche

Bürgermeister Michael Häupl eröffnete die Buchwoche, bei der sich die heimische Buchbranche vom 15. bis 20. November im Wiener Rathaus bei rund 80 Veranstaltungen präsentiert. Bücher aus 130 österreichischen, deutschen und Schweizer Verlagen können angeschmökert und gleich in 15 Buchhandlungen erworben werden. Die 58. Ausgabe der Buchwoche solle die "tiefe Verbundenheit der Stadt zum Buch", aber auch "eine persönliche Verbundenheit" Häupls zur Literatur zeigen. Denn "ohne ihnen das Internet ausreden zu wollen - das Buch ist schon schöner", sagte der Bürgermeister.

Lesungen halten u. a. Krimiautorin Donna Leon und Kabarettist Georg Kreisler bis zu Schauspieler Karl Merkatz, Popsänger Reinhold Bilgeri und Regisseur Kurt Palm. Auch dem Lesenachwuchs widmet sich die Buchwoche: Kinder von 3 bis 15 Jahren werden im Leseforum und einem eigenen Kindersaal zum Mitmachen und Mitlesen animiert, ein täglicher Buchtipp stellt ein Kinderbuch in den Mittelpunkt.

Und auch Lesen für den guten Zweck ist wieder möglich: Gegen eine Spende können auf der Bücherinsel Lese- und Rezensionsexemplare, die von den Verlagen zur Verfügung gestellt wurden, erworben werden. Die Einnahmen kommen heuer dem Sozialprojekt "Ein Zuhause für Straßenkinder" zugute, das seit mehr als 13 Jahren die heimatlosen Kinder Rumäniens unterstützt.(APA)

Österreichische Buchwoche im Wiener Rathaus. 15 bis 20. November, tgl. von 10 bis 19 Uhr, Eintritt frei
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.