AWD mit Gewinneinbruch

29. November 2005, 12:50
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Schwaches Deutschland-Geschäft belastet Finanzdienstleister - Nachfrage nach Vorsorge-Produkten in Österreich dagegen weiter hoch - Konzern erwartet Ergebnis-Erholung 2006

Wien - Dem deutsche Finanzvermittler AWD ist der Gewinn im dritten Quartal wegen des schwachen Deutschlandgeschäfts und Sonderkosten für die Expansion in Großbritannien fast komplett weggebrochen. Von 12 Mio. Euro Nettogewinn im Vorjahreszeitraum blieben heuer von Juli bis September nur noch 0,2 Mio. Euro übrig, teilte AWD am Dienstag in Hannover mit.

Der Umsatz sank binnen Jahresfrist um 15 Prozent auf 142,5 Millionen Euro. Bereits im Oktober hatte AWD vorläufige Zahlen veröffentlicht und die Händler mit einer Gewinnwarnung schockiert. Beim Umsatz bekräftigte AWD das Gesamtjahresziel von mindestens 600 Mio. Euro.

Zurückhaltung der Kunden

AWD-Chef Carsten Maschmeyer machte für das schwache Ergebnis die Zurückhaltung der Kunden in Folge der politischen Lage in Deutschland verantwortlich: "Der vorgezogene Bundestagswahlkampf mit den negativ und völlig kontrovers diskutierten Themen, wie zum Beispiel Rente und Steuern hat die deutschen Bundesbürger verunsichert und zunächst dazu bewogen, ihr Geld kurzfristig auf niedrig verzinsten Sichteinlagen zu parken, anstatt es hoch rentierlich langfristig und in die private Altersvorsorge zu investieren."

In Österreich dagegen sei die Nachfrage nach langfristigen Vorsorge-Konzepten sowie der Trend zu unabhängiger Finanzberatung nach wie vor ungebrochen, erklärte AWD Österreich-Geschäftsführer Wolfgang Prasser. Zuwächse gebe es auch in der ebenfalls von Wien aus verwalteten Region Osteuropa (CEE). In den ersten neun Monaten hat das Unternehmen, das Anlageprodukte vermittelt und dafür Provisionen kassiert, sein Geschäftsmodell und die Marke AWD in Tschechien, Ungarn und Kroatien eingeführt.

Mehr Umsatz in Österreich

Der Umsatz in der Region Österreich und CEE stieg im dritten Quartal um 9,4 Prozent auf 24,4 Mio. Euro. Bedingt durch Expansionskosten ging das Betriebsergebnis (EBIT) aber auch in dieser Region von Juli bis September um ein Fünftel auf 3,4 Mio. Euro zurück. In den ersten neuen Monaten liege das EBIT in Österreich und CEE mit 14,5 Mio. Euro aber nach wie vor 6,6 Prozent über dem Vorjahresniveau und der Umsatz mit 80,9 Mio. Euro um 16 Prozent darüber. Das Gesamtjahr sollte für die Region "wieder ein Rekordjahr" werden, so Prasser.

In der börsenotierte deutsche AWD Holding AG ist der Nettogewinn in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 24 Prozent auf 25,7 Mio. Euro zurückgegangen. Der Umsatz lag mit 448,2 Mio. Euro knapp sechs Prozent unter dem Vorjahreswert. Als Reaktion auf die schwache Deutschland-Nachfrage hat der Vorstand der AWD-Gruppe nach eigenen Angaben im dritten Quartal "umfassende Optimierungs- und Effizienzverbesserungsmaßnahmen" eingeleitet. Details nannte das Unternehmen nicht.

Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung

Die verhaltene Umsatzentwicklung im dritten Quartal sowie die umfangreichen Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung haben das Ergebnis belastet. "Nach erfolgreicher Umsetzung des Maßnahmenkataloges zur Produktivitäts- und Kostenoptimierung" hofft AWD aber, "aus der derzeitigen Wachstumsdelle gestärkt hervorzugehen und bereits 2006 auf den profitablen Wachstumspfad zurückzukehren".

Die AWD-Aktie in Frankfurt notierte am Dienstagvormittag bei 22,50 Euro, 0,36 Prozent über dem Schlusskurs des Vortages. Seit Anfang August hat die Aktie allerdings fast die Hälfte ihres Wertes eingebüßt. (APA)

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