Ein Viertel aller Lkw-Unfälle wegen schlechter Befestigung

16. November 2005, 08:10
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40 Prozent aller Lkw-Ladungen in Österreich mangelhaft gesichert - 196 Tote

Wien - 40 Prozent aller Lkw-Ladungen, die durch Österreich rollen, sind mangelhaft gesichert und für ein Viertel aller Transporter-Unfälle verantwortlich. Zu diesem Ergebnis ist eine Gemeinschaftsstudie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) und der Polizei gekommen, die am Dienstag in Wien präsentiert wurde. Ein Hauptproblem: 70 Prozent aller befragten Lenker waren zum Thema Ladungssicherheit nicht geschult.

Mit teilweise abenteuerlichen Befestigungs-Varianten hat es die Polizei Mistelbach im Rahmen der Untersuchung zu tun bekommen. Insgesamt 142 Schwerlaster wurden kontrolliert. Bei 35 Prozent der beanstandeten Lkw war die Ladung überhaupt nicht, bei 33 Prozent falsch und bei 32 Prozent zwar richtig, aber unterdimensioniert gesichert. In zehn Prozent der Fälle war das Transportgut dermaßen miserabel befestigt, dass die Lenker angezeigt wurden und das Fahrzeug sofort abstellen mussten.

196 Tote

Die mangelhafte Beladung hat oft tragische Konsequenzen: Denn im Jahr 2004 hatten sich auf Österreichs Straßen 4.337 Unfälle mit Lkw-Beteiligung ereignet - 196 Menschen verloren dabei ihr Leben. Im selben Zeitraum warnte der Ö3-Verkehrsdienst 287 Mal vor verlorenem Ladegut. Und der Schwerverkehr in Österreich nimmt stetig zu: Plus 14 Prozent in den Jahren 2000 bis 2004.

Ausländische Lkw besser

Ausländische Lkw schnitten bei der Studie übrigens besser ab als die heimischen Schwertransporter: Während 46,1 Prozent aller österreichischen Laster mangelhaft gesichertes Gut geladen hatten, waren es bei den ausländischen "nur" 36,6 Prozent. Dabei werden diesbezügliche Mängel seit 1. Juli 2005 mit Geldstrafen bis zu 5.000 Euro und einer Eintragung ins Führerscheinregister geahndet.

"Die Exekutivbeamten wurden in den vergangenen Monaten zum Thema Ladungssicherheit intensiv geschult. Seit Sommer haben wir drei bis vier Einsätze pro Monat und konnten so erheblich mehr Mängel feststellen", berichtete Mistelbachs Polizei-Kommandant Florian Ladengruber.

Das KfV fordert nun die Intensivierung der Schulungen und dass Zulassungsbesitzer entsprechende Sicherungsmittel zur Verfügung stellen müssen. Außerdem sollte ab einer gewissen Firmengröße ein Ladungsbeauftragter verpflichtend eingeführt werden. Normen sollten für verbindlich erklärt und nicht klar formulierte Sätze neu überdacht werden, sagte Armin Kaltenegger vom KfV, der erst ab "mindestens 90 Prozent" ordnungsgemäß gesicherter Lkw-Ladungen zufrieden wäre. (APA)

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