Auch Schweden erhielt mehrmals Besuch von CIA-Flugzeugen

20. November 2005, 19:14
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Human Rights Watch fordert Untersuchung - Militäranalytiker: Jedes Land hat die Pflicht, US-Regierung um Auskunft zu ersuchen

Stockholm - Mindestens drei verschiedene Flugzeuge, die auf Rechnung des US-Geheimdienstes CIA Gefangenentransporte durchführten, sind in den vergangenen Jahren in Schweden gelandet. Der schwedischen Nachrichtenagentur TT zufolge landete stattete zuletzt am 9. September dieses Jahres eine Maschine des Typs Raytheon Hawker XP mit der Registrierungsnummer N168BF dem Flughafen von Malmö einen Besuch ab. Die selbe Maschine wurde vor Kurzem auch in einer Parlamentsanfrage zu vermuteten CIA-Flügen in Dänemark genannt.

TT zufolge erhielten im Juni 2002 die Flughäfen Arlanda (Stockholm) und Örebro von einer weiteren CIA-Maschine Besuch, einer Gulfstream III mit der Nummer N50BH. In Örebro soll die Maschine 48 Stunden lang gestanden sein, bevor sie mit 13 Passagieren an Bord nach Island weiterflog.

Im Dezember 2001 wurden zwei Terror-verdächtige Ägypter mit einer auch als "Guantanamo Bay Express" bekannten Gulfstream V außer Landes gebracht. Die Affäre hatte Jahre später in Schweden für Aufsehen gesorgt, da die beiden Männer später aussagten, im Gefängnis in Ägypten gefoltert worden zu sein. Letztere Maschine hatte die Registrierungsnummer N379P. Laut so genannten "Plainspotters" - Enthusiasten, die im Internet Flugzeug-Fotos veröffentlichen - hat die Maschine mittlerweile die Kennung gewechselt und trägt nun die Nummer N44982.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HWR) forderte von der Regierung in Stockholm eine Untersuchung. Der für HWR tätige Militäranalytiker Marc Galasco sagte gegenüber TT, grundsätzlich müsse die Tatsache, dass ein von der CIA verwendetes Flugzeug auf einem Flugplatz zwischenlandet noch kein Problem darstellen. Es sei jedoch "die Pflicht einer jeden Regierung (in deren Land ein derartiges Flugzeug landet), bei der US-Regierung anzufragen, ob Gefangene durch den eigenen Luftraum transportiert wurden oder ob die Maschine mit Gefangenen an Bord zum Tanken gelandet ist".

Die US-Zeitung "Wahington Post" hatte Anfang November berichtet, die CIA würde außer in Afghanistan und in Thailand unter anderem in mehreren Ländern Osteuropas Geheimgefängnisse unterhalten, die Namen dieser Länder aber nicht genannt. Seither berichteten zahlreiche Medien in verschiedener Ländern über Landungen und teils unangemeldete Überflüge von CIA-Maschinen, darunter Dänemark, Estland, Großbritannien, Island und Polen. Laut einem Bericht der Tageszeitung "Der Standard" von vergangener Woche löste im Jänner 2003 der Flug einer verdächtigen US-Maschine von Frankfurt nach Baku über Österreich einen Draken-Einsatz aus. Der US-Senat hat unterdessen die Regierung von Präsident George W. Bush aufgefordert, ihn vollständig über angebliche Gefängnisse der CIA im Ausland zu informieren.(APA)

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