Der Dollar lässt Muskeln spielen

15. November 2005, 13:17
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Die Gemeinschaftswährung fällt auf Zwei-Jahres-Tief

Frankfurt – Der Dollar lässt seine Muskeln spielen und zwingt den Euro zu immer neuen Kursrutschen. Seit Monaten verliert der Euro stetig an Wert und ist in den vergangenen Tagen mehrfach auf das niedrigste Niveau seit zwei Jahren gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung pendelt um 1,17 Dollar und wird voraussichtlich auch noch die Marke von 1,15 Dollar testen.

Die Ökonomen zeigen sich überrascht. Viele hatten dem Euro nach dem Rekordhoch von 1,36 Dollar zum Jahresende 2004 kräftige Kurzzuwächse in diesem Jahr zugetraut. Genau das Gegenteil ist eingetreten, der Euro hat seitdem in Zickzack-Bewegungen fast 20 Cent verloren. Gründe dafür sind schnell gefunden. Manche Beobachter sprechen von einer Euro- Schwäche.

Europäischer Reformzug gerät ins Stocken

Angesichts der anhaltenden Krawalle in Frankreich und der politischen Unsicherheiten bei der Bildung der großen Koalition in Deutschland sei der europäische Reformzug ins Stocken geraten, heißt es. "Das ist kein Argument", widerspricht die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen, Gertrud Traud. "Politische Ereignisse spielen nur kurzfristig eine Rolle. Die Märkte sind sehr vergesslich."

Der Devisenmarkt lege nicht soviel politische Sensibilität an den Tag. Die Ökonomen reden vielmehr von einer Dollar-Stärke, für die es handfeste wirtschaftliche Gründe gibt. "Die US-Notenbank hat kräftig an der Zinsschraube gedreht", sagt Jens-Uwe Wächter, Währungsexperte der DekaBank. "Die Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa lockt die Anleger in den Dollar." Das drückt die europäische Gemeinschaftswährung. (dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.11.2005)

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