"Feminin wirkt inkompetent"

15. November 2005, 07:00
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Stereotype Rollenbilder werden in der Hagebank-Volksbank in Oberösterreich reproduziert - eine Zitrone

In einer Filiale der Hagebank-Volksbank in Oberösterreich gibt es seit neuestem spezielle Verhaltens- und Kleidungsvorschriften, welche die MitarbeiterInnen der Bank im wahrsten Sinne des Wortes als "Humankapital" (O-Ton Selbstbeschreibung des Unternehmens) verstehen. Die Vorschriften entmündigen die Angestellten des Betriebs geradezu: Von "Grüßen unserer Kunden und der Mitarbeiter im ganzen Haus" und "Kaufen Sie Materialien, die nicht knittern" bis hin zu "Körperpflege ist ein absolutes Muss" wird nahezu auf keinen Bereich vergessen. Was sich wie wozu und wann kombinieren lässt, ist im "Stilseminar" natürlich inklusive.

Stereotypen

In der Folge reproduzieren die mehrseitigen Vorschriftslisten herkömmliche Geschlechtsrollen- Stereotypen. Abgeraten wird von "großflächig eingesetzten Pastelltönen" - die Begründung: "sie wirken feminin, nicht kompetent" (!) - feminin gilt bei der Hagebank-Volksbank also als inkompetent. Weiters entsprechen "Blumenkleider, die Sie sehr mädchenhaft wirken lassen" nicht dem verordneten Standard. Und sind damit ob der Vermittlung von Inkompetenz verboten?!

Keine Strümpfe tragen dürfen nur Mitarbeiterinnen mit "gepflegten und leicht gebräunten Beinen". Demnach dürfte unrasiert als ungepflegt gelten und Frau muss in diesem Falle auch im Sommer Strümpfe anziehen, so die Vorschriften. Hat die Mitarbeiterin den Hitzeschock überstanden, darf sie sich gleich an die nächste gesundheitsfördernde Maßnahme halten: das Tragen von "Schuhen mit mäßiger Absatzhöhe". "Flache Schuhe wirken zu sportlich", heißt es zur Erklärung.

Weitere Beispiele der Eingriffe in Persönlichkeit und Privatsphäre ("Standard bei Mitarbeiterinnen"): "gepflegte Hände, Deodorant verwenden, unaufdringliches Make-up und Parfum" ... Zitrone! (dy)

15.11.2005

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Hagebank-Volksbank
  • Vorschriften über Vorschriften ... bei der Hagebank-Volksbank soll nichts dem Zufall und schon gar nicht der Weiblichkeit überlassen werden.
    foto/montage: diestandard.at/derstandard.at/simon graf
    Vorschriften über Vorschriften ... bei der Hagebank-Volksbank soll nichts dem Zufall und schon gar nicht der Weiblichkeit überlassen werden.
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