Airbus auf Kundensuche für seinen Riesenvogel A 380

21. November 2005, 15:28
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John Leahy, Chief Operation Officer von Airbus, hofft im STANDARD-Interview auf weitere Bestellungen für das größte Passagierflugzeug der Welt

STANDARD: Einige ihrer Airbus-A-380-Kunden sind verärgert, dass sie diesen wegen notwendiger Nacharbeiten nicht zum versprochenen Liefertermin bekommen. Etwa Singapore Airlines, welche als erste Fluglinie das Gerät mit einem halben Jahr Verspätung erhält.

Leahy: Ich habe mit allen Airline-Chefs gesprochen, und die haben natürlich ihren Unmut geäußert. Das Gute dabei ist aber auch, dass unsere Kunden massiv auf den A 380 setzen und sie das Flugzeug als eine komplett neue Generation sehen. Zurzeit ist das ganze Programm um sechs Monate verzögert.

Das gilt auch für Fluglinien wie Emirates, Qantas oder Lufthansa, welche den A 380 auch verspätet bekommen. Singapore Airlines wird als erste Gesellschaft in einem Jahr den ersten kommerziellen A-380-Linienflug starten.

STANDARD: Dennoch, ihre Kunden werden dafür Schadenersatz einfordern. Wird Airbus das teuer zu stehen kom- men?

Leahy: Teil unserer Verträge mit fast allen Kunden ist, dass wir für eine verspätete Auslieferung eines neuen Flugzeuges bezahlen. Genaue Details dazu haben wir mit den Fluglinien einzeln ausgehandelt. Wir bekommen zig Millionen Dollar im Vorfeld von unseren Kunden bei einer Flugzeugorder. Das Ganze wird uns nicht so viel Geld kosten.

STANDARD: Neue Bestellungen für den A 380 sind zuletzt aber keine mehr eingetroffen.

Leahy: 159 Flugzeuge sind fix geordert, der Breakeven für das Projekt liegt bei 250 Bestellungen. Wenn Sie heute einen Airbus A 380 bestellen würden, haben Sie sechs Jahre Wartezeit, um einen zu bekommen. Wir sind ausverkauft. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir nächstes Jahr bis zu drei weitere Kunden für den Airbus A 380 bekommen.

Ich denke dabei an eine Größenordnung von jeweils fünf bis zehn Flugzeugen pro Neukunden. Hierfür sind wir mit Fluglinien aus Indien und China in intensiven Diskussionen. Ich rede aber auch mit privaten Betreibern, also mit der Ausstattung des A 380 zum VIP-Flugzeug.

Zehn Prozent des Weltmarktes von Verkehrsflugzeugen betrifft sehr große Flugzeuge, wo auch der A 380 angesiedelt ist. Und in diesem Segment liegen ungefähr 22 Prozent der Erträge.

STANDARD: Manche Airlines haben nicht vor, den Riesenairbus mit der maximalen Anzahl von 850 Sitzen aufzufüllen, sondern lediglich mit 500 bis 550 Plätzen.

Leahy: Einige Fluglinien denken darüber nach. Zum Beispiel produziert der A 380 mit 850 Sitzen auf einem Flug von Bangalore in Indien nach Mumbai niedrigere Kosten als die indische Eisenbahn, mit welcher man zweieinhalb Tage für dieselbe Strecke benötigt.

STANDARD: Es steht außer Zweifel, dass so manche Flugzeugtypen von Airbus nicht mehr stark nachgefragt werden. Etwa der Airbus A 340-300. Ist das jetzt ein Ladenhüter?

Leahy: Wenn unser neuestes Muster, der Airbus A 350, ausgeliefert wird, beginnt die Produktion des A 340-300 ab 2010/2011 auszulaufen. Wir haben 4,5 Milliarden Euro in die Entwicklung des Airbus A350 gesteckt. Und auch wenn dieses Flugzeug zwei Jahre später auf dem Markt kommt als die Boeing 787 (das amerikanische Konkurrenzmuster zum A 350, Anm.) beruhigt mich die Tatsache, das wir bereits 200 Bestellung haben.

STANDARD: Wie geht der Zweikampf zwischen Airbus und Boeing weiter?

Leahy: 2005 ist ein Rekordjahr für uns mit ungefähr 800 Flugzeugbestellungen, das entspricht rund 50 Prozent des gesamten Weltmarktes von Verkehrsflugzeugen. Wir werden Boeing nicht nur heuer, sondern auch nächstes Jahr im Bereich von Flugzeugauslieferungen überholen. Bei den Auslieferungen halten wir gegenwärtig 53 Prozent Anteil. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.11.2005)

Das Gespräch führte Kurt Hofmann

Zur Person

Der 54-jährige New Yorker John Leahy ist seit 1995 Verkaufs- und Marketingchef des Eurokonsortiums Airbus. Sein seinerzeit erklärtes Ziel, die Marktanteile des Flugzeugbauers von 18 auf 50 Prozent anzuheben, hat der als Workaholic bekannte Manager im Vorjahr erreicht. Gerüchte sagen ihm nach, lange Zeit spitz auf den Airbus-Chefsessel gewesen zu sein.

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Airbus
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    Trotz Zeitverzögerungen im Programm ist sich Airbus-Verkaufsleiter John Leahy sicher, dass die Airlines dieser Welt auf den A 380 fliegen.

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