Wer Hürden wegräumt,...

22. November 2005, 18:49
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...kann das Ziel sehen - Eisschnelllauf: Anna Rokita löschte einen Hunyady-Rekord und peilt Turin an - "Ehrgeizig und klug"

Calgary/Wien - Mag sein, dass nicht ganz Innsbruck aus allen Wolken gefallen ist. Jedenfalls hat Oliver Bittner-Crepaz "blöd dreing'schaut", als er vom österreichischen Rekord erfuhr, den die Eisschnelläuferin Anna Rokita in Calgary erzielt hatte. Die 19-jährige Tirolerin, die sich anschickt, auf Emese Hunyadys Spur zu wandeln, läuft für den Union Eisschnelllaufclub Innsbruck (UEC), dem Bittner-Crepaz als Obmann vorsteht, und beim Weltcup-Auftakt blieb sie über 3000 Meter in 4:05,17 deutlich unter Hunyadys Bestmarke (4:06,55), die bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City den neunten Rang ergeben hatte.

Der UEC und Bittner-Crepaz sind dabei, ein neues Team aufzubauen, Rokita "ist das Zugpferd". Emese Hunyady lobt "die gesunde Einstellung" ihrer Nachfolgerin in spe, die "ehrgeizig und klug" sei. "Es war klar", sagt Hunyady, "dass Anna diesen Rekord rasch bricht." Rokita gilt als große Hoffnungsträgerin, nachdem es zwei, drei Jahre lang danach ausgesehen hatte, als würden die Eisschnellläufer hierzulande untergehen. Der Einbruch hatte bei Weitem nicht nur mit Hunyady zu tun, die sich den Sport und vor sechseinhalb Monaten einem Buben das Leben schenkte.

Im Winter 2003/04 war Österreichs einzige Eisbahn von internationalem Zuschnitt, jene in Innsbruck, wegen Umbau gesperrt, die Läufer mussten zum Üben nach Klobenstein und Inzell ausweichen. Dazu kamen umstrittene Personalentscheidungen auf Verbandsebene, ein bemühter Sportkoordinator (Marek Stanuch) dankte ab, ein umstrittener Nationaltrainer (Jan de Kok) wurde geholt. Rokita muckte auf und wurde im vergangenen Winter wegen angeblich verbandsschädigender Äußerungen gesperrt.


Ruhmloser Verband

Der Verband (ÖESV), früher mit den Kunstläufern im Bunde und seit 2004 eigenständiges BSO-Mitglied, bedeckt sich nach wie vor nicht mit Ruhm. Unter www.oeesv.org sind allein eine Telefonnummer, die nicht mehr stimmt, und folgender Hinweis zu erfahren: "The Homepage is comming (sic!) soon". Immerhin sagt Obmann Bittner-Crepaz, dass die Probleme mit ÖESV-Präsident Hermann Filipic "aus dem Weg geräumt wurden". De Kok sei nicht mehr für Rokita zuständig, sie wird nun von ihrem Vater Jerzy, einem gebürtigen Polen, betreut. Zuletzt konnte sie drei Monate lang in Calgary trainieren, Voraussetzung war die Aufnahme ins Heeressportzentrum mit Grundausbildung im Frühjahr.

Am Wochenende setzt sich der Weltcup in Salt Lake City fort, das seit jeher mit Calgary um den Titel "Schnellstes Eis der Welt" streitet. Rokita ist über 3000 Meter in die A-Gruppe aufgestiegen, dort findet man besseres, weil öfter bereitetes Eis und stärkere Gegnerinnen vor. Großes Ziel ist die Qualifikation für die Winterspiele in Turin (Februar), mit einem fünften Platz im Weltcup wäre ein A-Limit erzielt und eine Basis gelegt. (Fritz Neumann DER STANDARD Printausgabe 15. November 2005)

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