Perspektive für Aussichtlose

29. November 2005, 13:29
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Angesichts steigender Jugendarbeitslosigkeit versucht das Projekt Generation 19+ neue Lösungen zu finden

...Junge Menschen aus schwierigen Verhält- nissen sollen durch spezielle Betreuung eine zweite Chance bekommen.

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Wien – "Viele junge Menschen suchen Arbeit wie einen Bissen Brot und finden keine", macht Caritas-Direktor Michael Landau auf die "explosive Mischung" von Armut und Jugendlichen aufmerksam.

Seit dem Jahr 2000 hat sich in Wien die Zahl der Sozialhilfeempfänger verdoppelt. 12.000 oder 16 Prozent davon sind junge Menschen, oft Schul- oder Lehrabbrecher, die nie den Einstieg in den Arbeitsmarkt geschafft haben. Angesichts der ohnehin gespannten Situation am Arbeitsmarkt stehen die Chancen, einen Job zu finden, für Jugendliche ohne abgeschlossene Ausbildung oder Arbeitserfahrung besonders schlecht.

"Dauerarbeitslosigkeit geht Hand in Hand mit Armut, sozialer Desintegration, Verlust des Selbstwertgefühls und der Lebensperspektiven, was wiederum die Chancen schmälert", beschreibt Michael Landau "eine Spirale nach unten". Mit dem Projekt Generation 19+ sollen Langzeitarbeitslose zwischen 19 und 30 Jahren, aufgefangen und langsam ins Berufsleben geführt werden. Zur Zielgruppe gehören Menschen mit "multiplen Vermittlungshindernissen", wie es im Fachjargon heißt, also junge Erwachsene aus prekären Wohnverhältnissen, mit Sucht- oder psychischen Problemen.

Pilotphase

In der Pilotphase des von Arbeitsmarktservice (AMS), den Sozialzentren der Gemeinde Wien und dem Wiener Arbeitnehmerförderungsfond (WAFF) unterstützten Projekts werden vorerst 36 Personen aus den Bezirken 3, 11, 16, 17 und 18 für maximal sechs Monate in verschiedenen Modulen geringfügig beschäftigt. In einer Reparaturwerkstatt, bei der Herstellung von Holzmöbeln und beim kreativen Handwerk können in zwölf Wochenstunden grundlegende Erfahrungen gesammelt werden. Der Lohn kann zur Sozial- oder Notstandshilfe dazu verdient werden.

Talente fördern

Dabei sollen Talente und Interessen festgestellt werden, um "realistische Berufsperspektiven" zu entwickeln, wie Caritas-Projektkoordinator Michael Kozeluh erklärt. Ergänzend wird umfassende Beratung zur Lösung individueller Probleme und weiterer Qualifizierung geboten.

"Mangelnde Willigkeit ist nicht das Problem", spricht sich Landau gegen gängige Vorurteile aus. Seit Projektbeginn im Oktober haben sich 53 Interessenten gemeldet, von denen bereits 20 in den regulären Arbeitsmarkt übernommen werden konnten. Die Hälfte der Teilnehmer sind Frauen, ein Viertel Migranten. Bis Anfang 2007 sollen insgesamt 90 Jugendliche betreut werden.

Das vom Wirtschaftsministerium und dem EU-Programm Equal geförderte Projekt ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: Im Oktober waren 2383 Menschen zwischen 20 und 29 Jahren länger als sechs Monate als erwerbslos vorgemerkt. Sozialstadträtin Renate Brauner (SP) versprach: "Jeder soll einen Weg in die Arbeitswelt finden." (DER STANDARD-Printausgabe 15.11.2005)

Karin Krichmayr
  • Für Schul- oder Lehrabbrecher ohne Berufserfahrung stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt schlecht
    foto: newald

    Für Schul- oder Lehrabbrecher ohne Berufserfahrung stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt schlecht

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