Schlüsselerlebnisse für Satellitenseher

2. März 2006, 13:07
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Deutsche Privatsender überlegen Verschlüsselung - mit einem anderen System als der ORF

Wer die ORF-Programme vom Satelliten holen will, braucht längst Decoder und passende Plastikkarte ("Smartcard") zur Entschlüsselung der Signale. RTL, Sat.1 und Co denken ernsthaft über eine "Grundverschlüsselung" nach - mit einem anderen System als der ORF.

Ohne Codierung über Satellit könnte sich der Küniglberg jedenfalls ORF 1 nicht mehr leisten: Er müsste für Filme, Serien und dergleichen ein Vielfaches zahlen. Denn dann wären sie nicht alleine in Österreich, sondern europaweit zu empfangen.

Erlöse mit Pay-TV

Bei den deutschen Privatsendern stehen andere Überlegungen im Vordergrund, berichtet das Branchenmagazin Digital Fernsehen. Weil Werbeerlöse jedenfalls nicht steigen, suchen sie nach Erlösen etwa mit Pay-TV. Pro Sieben oder RTL über Satellit (und Kabel) zu verschlüsseln, bewegt das Publikum, sich einen Decoder mit der passenden Smartcard anzuschaffen. Neue Bezahlprogramme sind dann einfach über diese Karte abzurechnen, selbst wenn Kanäle wie RTL noch nichts extra kosten.

Premiere hat solche Boxen schon in fünf Millionen deutschen Haushalten stehen, womit sich auch sein Verschlüsselungssystem Nagravision anbietet. Darauf drängt auch der wichtigste Satellitenbetreiber Astra: Er betreibt schließlich die passende Verschlüsselungsfirma APS in München. Konkurrent Eutelsat bastelt an einer Beschwerde gegen das Szenario bei den deutschen Kartellbehörden, sagt Stefan Hofmeir, Herausgeber von Digital Fernsehen.

Für ORF nicht ungelegen

Dem ORF indes käme Nagravision bei RTL und Co wohl gar nicht ungelegen: Mehr als eine halbe Million Decoder entschlüsseln seine Programme in Österreich schon mit Cryptoworks statt Nagra. Tendenz: weiter stark steigend. Was den Empfang Nagra-verschlüsselter Werbefenster deutscher Privatsender für Österreich zumindest erschwerte, die dem ORF so zusetzen. Premiere hält mit rund 270.000 Abos in Österreich etwa bei der Hälfte.

Markus Breitenecker, Vermarkter von Pro Sieben & Co in Österreich, hat schon in der Münchner Zentrale nachgefragt: Grundverschlüsselt werde jedenfalls "nicht nächstes Jahr". "Noch keine Entscheidung", sagt Konzernsprecherin Katja Pichler, "derzeit nicht aktuell". Von RTL kam zunächst keine Reaktion vor. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 15.11.2005)

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    Vor Kartenpoker um Satellitenprogramme.

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