Wien: Bechern mit dem Öko-Becher

29. November 2005, 13:29
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Wien feiert ab, bis zur Kompostierung - Die jüngste Innovation: Becher, die zu Erde werden

Wien – Das Wiener Donauinselfest als das größte Öko- Event Europas zu präsentieren, dürfte nicht leicht fallen. Schließlich mag zu dem gewaltigen Inseltrubel so manches assoziiert werden – aber gewiss keine Massierung von Jute-Sackerln und Gesundheitsschlapfen. Allerdings: Mit einem verbindet man das Inselfest ganz gewiss: Mit Bechern. Und wo mächtig gebechert wird, fallen sie auch ordentlich an, die Becher.

Nun sei es aber gelungen, dass ein gut Teil dieses Becher-Anfalls nicht mehr zum Abfall werde, verkündete Umweltstadträtin Ulli Sima (SP) am Montag.

Die jüngste Innovation: Becher, die zu Erde werden. Und zwar nicht, indem sie, wie früher üblich, einfach hinter die Büsche gepfeffert wurden. Auch setzt der Zerfallsprozess nicht unter der Hand schon beim Runterbechern ein – sondern erst später in einer eigenen Kompostieranlage. Ein paar dieser Becher seien nun die erdige Grundlage von Weihnachtssternen, beteuerte Sima.

Optisch schön und klar

Das Zwischenprodukt sei "ein optisch schöner, klarer Becher; er ist sehr schön bedruckbar, man kann ihn wunderbar branden", wie seitens des Herstellers geschwärmt wird. Bis zur vollständigen Kompostierung dauert es übrigens 60 Tage – ein Zeitraum in dem auch der schlimmste Inselrausch längst ausgeschlafen sein sollte.

Ein anderes System, das zum mehrmaligen Bechern einlädt, sind die "Mehrwegbecher", die nicht mehr weg geworfen, sondern wieder verwendet werden (sollen). Insgesamt 45.000 Stück dieser "Natürlich Wien Becher", gebe es bereits, so Sima. Das sind Becher, "die mit einem Aufdruck der Stadt Wien attraktiv gestaltet sind". So attraktiv, dass man sie gar nicht mehr weg geben mag.

Mietbar

So kamen beispielsweise 25.600 solcher höchst attraktiven Becher beim jüngsten Life-Ball zum Einsatz – gemeinsam mit 5000 ein bisserl noch mehr attraktiven Bechern "einer speziellen Life-Ball- Edition". Für alle, die's ganz genau wissen wollen: Sie können auch gemietet werden, die Becher – außerdem werden sie von einer Wiener Firma "verwaltet und gewaschen" – und also sind auch keine langen Transportwege nötig.

Und so wurde beim verwichenen Donauinselfest auf der "Country-Insel" auch keine ländliche Becherkomposterde hergestellt, sondern Mehrweg-gebechert. "Damit konnte eine 100-prozentige Reduzierung der Abfälle im Getränkebereich erzielt werden", vermeldete der "Inselfest-Vater" Harry Kopietz diesen Montag.

Nun mag es zwar vorgekommen sein, dass nicht alle Becher den Weg zurück zur Wiederverwendung fanden. Doch auch in diesem Falle ist eines sonnenklar: "Vielen der 50.000 Country- Fans haben die Becher so gut gefallen, dass sie sie als Souvenir mitgenommen haben", ist sich Kopietz 100-prozentig sicher. So 100-prozentig weiß er das, wie es auf der "Country-Insel" jetzt ganz sicher keinen Mist mehr für Hochprozentiges geben darf. (DER STANDARD-Printausgabe 15.11.2005)

Roman David-Freihsl
  • Der Ökobecher: so stylish, dass man ihn nimmer hergeben mag . . .
    foto: cremer

    Der Ökobecher: so stylish, dass man ihn nimmer hergeben mag . . .

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