Stoibers späte Buße

14. November 2005, 17:49
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Am Montag hat sich Edmund Stoiber am CSU-Parteitag der bayerischen Basis gestellt - Von Birgit Baumann

Das Büßen nimmt kein Ende. Am Montag hat sich Edmund Stoiber am CSU-Parteitag der bayerischen Basis gestellt. Wie einige Tage zuvor schon in der Landtagsfraktion musste der CSU-Chef seine überhastete Flucht aus Berlin rechtfertigen und erklären, warum er auf einmal doch nicht mehr Wirtschaftsminister im Kabinett Merkel werden wollte.

Erneut bekannte Stoiber, wie "ein Hund" zu leiden und entschuldigte sich sogar dafür, die Partei in eine so "schwierige Lage" gebracht zu haben. Aber auch der CSU-Vorstand trug zur Versöhnung bei und stärkte dem Chef einstimmig den Rücken.

Das heißt aber noch lange nicht, dass Stoiber wieder rehabilitiert ist und im weiß-blauen Freistaat nun politischer Frieden herrscht. Im Gegenteil: Stoiber ist angeschlagen wie nie zuvor, und seine Tage sind gezählt. Noch nie ist "Edi" von den seinen geliebt worden. Höchsten Respekt hat man ihm gezollt, weil er die CSU bei Landtagswahlen von Sieg zu Sieg führte und weil er ein ausgewiesener Wirtschaftsexperte ist. Aber Verehrung wie Franz Josef Strauß selig wurde Stoiber nicht zuteil.

Jetzt, wo Stoiber kein Fels mehr in der Brandung ist, sondern ein schwankendes Schilfrohr, geschieht Ungeheuerliches: Abgeordnete kritisieren den Ministerpräsidenten ebenso wie ehemalige CSU-Minister. Alles kommt auf den Tisch: dass er schon 2002 am Kanzleramt scheiterte, sein peinliches Davonlaufen jetzt, sein autoritärer Regierungsstil in Bayern, sein schlechtes Krisenmanagement in der Wahlfälschungsaffäre der Strauß- Tochter Monika Hohlmeier, die schlechten Umfragewerte.

Und nun verlässt auch noch Wirtschaftsminister Otto Wiesheu das Kabinett und geht in den Vorstand der Bahn. Wenn Stoiber nicht rasch einen passablen Nachfolger präsentiert, verliert er noch mehr an Gewicht. Er selbst will es noch nicht wahrhaben, aber in der Partei dürfte es beschlossene Sache sein: 2008 tritt die CSU nicht mehr mit Stoiber zur Landtagswahl an. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.11.2005)

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