Die Mama als "Sicherheitsnetz"

15. November 2005, 17:44
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Eltern spielen im Schulbetriebs eine große Rolle - In der Familie Haimerl übernimmt Mama den Großteil der Lernbetreuung

Schule bedeutet für Ursula Haimerl, Mutter von Caroline (12) und Niki (10), dass auch sie selbst am aktuellen Wissensstand bleibt. Hausaufgaben müssen betreut, Vokabel geprüft werden – nebenbei engagiert sich die 40-Jährige auch im Elternverein.

Leicht nervös gemacht hat sie nur der Termin mit dem Fotografen. Über ihre Kinder und die Schule erzählt Ursula Haimerl hingegen gerne, da gibt es viel zu berichten.

Was sie von der Schule zu spüren bekommt? Die eigenen Französischkenntnisse sind jedenfalls auf Vordermann gebracht, der Grammatikgrundstock aufgefrischt. "Apprendre", insbesondere das Lernen und Abprüfen der Vokabel fällt bei Familie Haimerl in den Kompetenzbereich von Mutter Ursula. Für Geschichte und das Zusammenstellen der Blättersammlung ist Oma Roswitha zuständig, Mathe übernimmt Papa Franz. "Ich bemühe mich, dass er eine Rolle spielt im Leben der Kinder – und die lässt er sich auch gerne umhängen", sagt Ursula Haimerl, seit Kurzem 40, Mutter zweier schulpflichtiger Kinder.

Den Großteil der Lernbetreuung übernimmt sie allerdings selbst. Nikis Hausaufgaben sind auch die ihren, "bei ihm sitze ich meistens durchgehend daneben". Vor allem die Umstellung von Volksschule auf Gymnasium war für den Zehnjährigen schwierig. Die neue Umgebung, die stündlich wechselnden Lehrer, der neue Klassenverband – etwas viel Veränderung auf einmal. "Ich helfe ihm häufig, die Schulsachen herzurichten, aber Nikis Selbstorganisation wird zunehmend besser": Jetzt müsse sie dem Sohn "nur mehr einmal pro Woche" die Schulsachen ins Sportgymnasium nachbringen, lacht die Mama. Besonders das Schwimmzeug am Mittwoch wird aber immer noch gerne vergessen.

Caroline, die zwölfjährige Tochter, erledigt ihre Hausaufgaben selbstständig, bei Problemen oder den geliebten Französischvokabeln muss die Mama aber mitunter helfen. Und das funktioniert ganz gut. Ursula Haimerl sieht sich als "Sicherheitsnetz" ihrer Kinder, auf das sie sich verlassen können, wenn es Probleme gibt. Und dazu gehören eben auch die schulischen.

"Wie das berufstätige Mütter machen, weiß ich nicht", sagt sie – dabei war sie selbst bis 2002 sechs Jahre lang in einer EDV-Firma teilzeitbeschäftigt, "mittlerweile habe ich aber resigniert". Für das Familieneinkommen sei ihre Tätigkeit nie relevant gewesen, in der Wertschätzung der anderen wurde der Job mehr als Hobby gesehen. Also Beruf "Hausfrau und Mutter"? Nur nach einigem Zögern will sie das so stehen lassen. "Es ist ein Problem, das heute so zu benennen. Das würde ich mich nicht trauen zu sagen, ich bin zu 90 Prozent Mutter." Tee und Massage Der Schulalltag im Hause Haimerl ist vielseitig: Am Dienstag hatte Niki seine erste Schularbeit in Mathematik. Die Prüfungsangst davor versuchte die Mama mit Tee und einer Massage zu lindern. Oder unlängst – die Sache mit Martin Luther King. Caroline hatte in der Schule eine Dokumentation über den Bürgerrechtler gesehen. "Ich muss dann da sein, um mit den Kindern diese Dinge zu diskutieren, zu denen sie in der Schule nicht mehr gekommen sind." Und Ursula Haimerl diskutiert lebhaft – und mit Freude.

Die Kinder werden dabei als ebenbürtige Gesprächspartner behandelt. Ursula Haimerl belehrt nicht, sie versucht zu er 5. Spalte klären. Nur wenn sie beschreiben soll, wieso sie ihr Veterinärmedizinstudium, dessen ersten Abschnitt sie 2004 abgeschlossen hat, nicht beenden wird, meint man ein wenig Bedauern zu hören: ab dem zweiten Abschnitt herrscht Anwesenheitspflicht, der Lehrplan ähnelt jenem des Schulsystems.

Dann schon lieber gleich Engagement in der Schule selbst: Haimerl ist seit vielen Jahren Mitglied im Elternverein, derzeit als Stellvertreterin in Nikis Sportgymnasium am Gießhübl in Niederösterreich. "Das ist mir wichtig, mitzumischen und mich zu informieren." So ließen sich die Dinge unaufgeregter angehen.

Unaufgeregt verlief dann auch der Fototermin in Ursulas Garten; von der anfänglichen Nervosität war nichts mehr zu spüren: Familie Haimerl posierte samt Hund geduldig wie für's Klassenfoto. (DER STANDARD, Karin Moser, Printausgabe, 15. November 2005)

  • In der Familie Haimerl werden Kinder als ebenbürtige Gesprächspartner
behandelt. Der Hund darf zumindest mit aufs Foto.
    der standard/corn

    In der Familie Haimerl werden Kinder als ebenbürtige Gesprächspartner behandelt. Der Hund darf zumindest mit aufs Foto.

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