Talabani unterstreicht Verbesserung der Sicherheitslage

17. November 2005, 09:00
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Attentäter "Verbrecher, keine Widerstandskämpfer" - Truppenabzug kann ab Ende 2006 diskutiert werden

Wien - Der irakische Staatspräsident Jalal Talabani hat die generelle Verbesserung der Sicherheitslage in seinem Land unterstrichen. "In 14 Provinzen haben wir Ruhe, nur in vier Provinzen haben wir es noch nicht geschafft", erklärte Talabani am Montag in Wien nach einem Arbeitsgespräch mit Bundespräsident Heinz Fischer in der Hofburg. Zugleich übte er scharfe Kritik an den Rebellen, die tagtäglich weiterhin Anschläge verüben. "Das sind Verbrecher, das sind keine Widerstandskämpfer", so der Staatschef. Auf den möglichen Abzug der ausländischen Truppen angesprochen meinte er, Ende nächsten Jahres werde man beginnen, darüber mit den Partnern zu diskutieren.

Anschläge in Bagdad halbiert

Zur Sicherheitslage führte Talabani vor Pressevertretern in der Hofburg weiter aus, selbst in Bagdad habe sich die Zahl der täglichen Anschläge halbiert. Auch in Tikrit und in Ramadi hätten sich die Attentate verringert. "Die Attentäter haben die Autobomben als einzige Waffe." Die Medien konzentrierten sich in ihrer Berichterstattung immer auf die negativen Vorfälle, beklagte Talabani.

Zugleich betonte Talabani, "die Verbrechen der Attentäter sind zunehmend brutaler geworden". Der Staatschef sprach von "Säuberungsaktionen gegen Schiiten und Kurden". Ein neuer Krieg werde gegen Teile der Bevölkerung eröffnet. "Das hat mit Widerstand nichts zu tun. Diese Leute leisten keinen Widerstand gegen ausländische Truppen. Sie bringen Frauen und Kinder um." Talabani erinnerte auch an die früheren Entführungen von Ausländern, wo die Täter sagten, dies geschehe "im Namen des Islam. Hier wird aber der Name des Islam in den Schmutz gezogen". Zu den Terroristen merkte Talabani weiters an: "Diese Verbrecherbanden kommen meistens von außen, kommen zu Tausenden aus dem Ausland." Namen von Ländern wollte er nicht nennen.

Befragt nach dem Einfluss des Iran auf die irakischen Schiiten, hob Talabani hervor, dass die Schiiten im Irak "nicht vom Iran abhängen". Er wies darauf hin, dass die Stadt Najaf im Irak eine heilige Stadt der Schiiten sei. Große schiitische Gelehrte stammten aus dem Irak. Unter dem Regime von Saddam Hussein seien viele Kurden und Schiiten in den Iran geflüchtet, ergänzte Talabani.

Abbau ausländischer Truppen nach 2006

Auf die Frage, wie lange der Schutz ausländischer Truppen im Irak benötigt werde, sagte Talabani, nach seiner Auffassung werde es "in zwei Jahren so weit sein". Nach Ablauf des Jahre 2006 werde es nach seiner Meinung, wie der Präsident unterstrich, möglich sein, mit einem schrittweisen Abzug der ausländischen Truppen zu beginnen. Talabani hat zuletzt mehrfach vor einem frühzeitigen Abzug der ausländischen US-geführten Truppen aus dem Irak gewarnt, der weiter als instabil gilt.

Insgesamt zog Talabani eine positive Zwischenbilanz über die demokratische Entwicklung. 64 Prozent der Bevölkerung hätten sich am Verfassungsreferendum beteiligt. Den arabischen Sunniten werde eine stärkere Beteiligung im Verfassungssystem zugestanden. Zu den Nachbarschaftsbeziehungen sagte er, die Beziehungen zu Kuwait seien sehr gut, jene zu Saudiarabien "verbessern sich zunehmend", "mit den Brüdern in Syrien haben wir einige Probleme".

Bundespräsident Fischer fügte hinzu, eine positive Entwicklung im Irak habe "eine positive Ausstrahlung auf die ganze Region. Sie hilft uns allen, auch in Europa.". (APA)

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