Irakische Bischöfe über neue Verfassung sehr besorgt

16. November 2005, 14:36
1 Posting

Erzbischof Sako fordert Änderung - Papst empfing chaldäische Synode

Vatikanstadt - Die chaldäisch-katholischen Bischöfe im Irak sind sehr besorgt über die neue Verfassung des Landes, die stark vom islamischen Recht geprägt ist. Der Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, der zu den Teilnehmern der Wiener Islam-Konferenz gehört, sagte laut Kathpress im Gespräch mit Radio Vatikan, die Kirche müsse etwas tun, "um die betreffenden Artikel noch einmal zu ändern", da die muslimische Gesetzgebung den Prinzipien der Demokratie widerspreche. Die Tatsache, dass sie Frauen nicht dieselben Rechte zugestehe wie Männern, sei dabei nur ein Punkt. Letztlich gehe es um die Entscheidung "entweder Demokratie oder Islam", so Sako.

Papst Benedikt XVI. hat am Wochenende bei einer Audienz für die chaldäischen Bischöfe, die derzeit ihre Synode im Vatikan abhalten, die Iraker und besonders die in dem Land lebenden chaldäischen Christen seiner Solidarität und seines Gebets versichert. Die mit Rom unierten Chaldäer sind die zahlenmäßig stärkste christliche Kirche im Irak. Ihr Oberhaupt ist der in Bagdad residierende Patriarch von Babylon, Emmanuel III. Delly.

Talabani garantiert bei Papstbesuch Religionsfreiheit

Der Papst hatte am vergangenen Donnerstag den irakischen Staatspräsidenten Jalal Talabani empfangen, der nach eigenen Worten Benedikt XVI. versprochen hat, "dass wir die Religionsfreiheit jedes einzelnen Irakers garantieren werden".

Bereits zum Auftakt der Bischofsversammlung hatte der Vertreter des chaldäischen Patriarchats beim Vatikan, Philip Najim, vor einem Rückzug der ausländischen Truppen aus dem Irak gewarnt. Die Situation der Christen wie des ganzen irakischen Volkes sei sehr schwierig, sagte Najim gegenüber Radio Vatikan.

Im Irak lebten vor dem Krieg annähernd eine Million Christen, die unter dem laizistischen Baath-Regime Saddam Husseins einen gewissen Schutz genossen. Inzwischen sollen es noch 700.000 sein. Ihre Sicherheitslage hat sich seit 2003 dramatisch verschlechtert. Kirchen in Mossul und Bagdad und anderen Orten wurden niedergebrannt, viele Christen getötet. Die verschiedenen christlichen Kirchen hatten sich ohne Erfolg der Verankerung des islamischen Rechts (Sharia) in der neuen irakischen Verfassung zu widersetzen versucht. (APA)

Share if you care.