Kameras und Sensoren statt Menschen

14. November 2005, 13:39
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Technologie aus Österreich nahm am Autorennen ohne Fahrer teil

"Robust Autonomous Sensor-Controlled All-Terrain Land-Vehicle" (Rascal) heißt das Fahrzeug, das von österreichischem Know-how profitieren konnte. Ihre Erbauer, das amerikanische Team "SciAutonics", besteht aus Mitarbeitern der Firma Rockwell Scientific und der Auburn University. 2004 nahmen sie ohne Erfolg am ersten Rennen teil. Um diesmal weiter vorne zu liegen, haben Mitarbeiter des Smart-Systems-Forschungsteams aus dem Bereichs Informationstechnologien der ARC Seibersdorf GmbH die Augen in Form eines eingebetteten Stereo-Vision-Sensors zur Verfügung gestellt.

Peter Hössl, Business Development Manager der ARC Seibersdorf research, hatte von dem Rennen 2004 in der Zeitung gelesen und den verantwortlichen Professor einfach angerufen. "Sie waren an unserer Mithilfe sehr interessiert", berichtet er. Erfahrungen hat die Firma durch das EU-Projekt Decos gesammelt, wo es um die Architektur hochzuverlässiger zeitgesteuerter Echtzeitsysteme und die "Entmechanisierung im Auto" geht.

"Das Erreichen des Finales der Grand Challenge zeigt, dass der eingebettete Sensor den Schritt vom Labor in die Anwendung unter schwierigen Bedingungen geschafft hat", freut sich Heinrich Garn, Leiter des ARC-Bereichs Informationstechnologien. Beim Wüstenrennen lieferten zwei Kameras der in den Militär-Buggy eingebauten Elektronik aus Seibersdorf Bilder. Die Sensoren, die das Gelände in einer Entfernung zwischen zehn und 40 Metern vor dem Fahrzeug beobachten, werden in einem eingebetteten Chip (Embedded-System-Chip) verarbeitet. Advanced Computer Vision, Entwicklungspartner von Smart-Systems, lieferte die Softwarealgorithmen für den Sensor. Daraus errechnet der Zentralcomputer als Gehirn ein räumliches Bild der Umgebung für die Navigation des Fahrzeugs.

Ergänzt werden die Bilddaten von weiteren Sensoren, wie etwa Laserscannern, die den Boden abtasten. Der Fachbegriff dafür: Sensor-Fusion. "Alles dient dazu, dass das Fahrzeug rechtzeitig Hindernisse erkennen und umfahren kann. Der Computer muss blitzschnell reagieren, damit es nicht in einer Felswand oder einer Grube landet", sagt Hössl. Zwischen dem Erkennen eines Hindernisses und dem Reagieren darauf vergehen nur etwa 100 Millisekunden. Das mit österreichischer Technik ausgestattete Fahrzeug erreichte zwar nur den 14. Platz, weil der Hauptbordcomputer ausfiel. Die Mission hat aus Sicht der Experten aber den Zweck erfüllt. (jok/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 11. 2005)

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