Anschlag auf ISAF-Fahrzeug in Kabul: Sieben Zivilisten getötet

18. November 2005, 13:32
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Kabuler Polizei macht Al-Kaida verantwortlich

Kabul - Nach den Selbstmordanschlägen auf zwei Fahrzeuge der internationalen Friedenstruppe ISAF in Kabul ist die Zahl der afghanischen Todesopfer gestiegen. Die afghanische Polizei teilte am Dienstag mit, bei dem zweiten Anschlag seien außer dem Selbstmordattentäter insgesamt sieben Afghanen ums Leben gekommen. Der deutsche Verteidigungsminister Peter Struck hatte am Montag erklärt, neben dem bei dem ersten Anschlag getöteten Bundeswehrsoldaten seien fünf afghanische Todesopfer zu beklagen.

Der afghanische Polizeikommandant Mohammed Akbar erklärte am Dienstag, bei den beiden Selbstmordattentätern scheine es sich nicht um Afghanen, sondern um Araber zu handeln. Dies spreche dafür, dass das Terrornetzwerk Al-Kaida die Anschläge organisiert habe. Am Montag hatten sich die Taliban, deren Regime 2001 durch die US-geführte Invasion gestürzt worden war, zu den Anschlägen bekannt. Ein Lazarett-Airbus der Luftwaffe sei bereits unterwegs zum deutschen Versorgungsstützpunkt im usbekischen Termes, erklärte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam.

Der frühere ISAF-Oberbefehlshaber Norbert van Heyst äußerte sich skeptisch zu Forderungen, die Sicherheitsmaßnahmen in Afghanistan müssten weiter verstärkt werden. Die Sicherheitsvorkehrungen seien bereits auf einem sehr hohen Niveau und nach dem Anschlag im Juni 2003 weiter erhöht worden, sagte Van Heyst im Deutschlandfunk. Absolute Sicherheit könne es nicht geben.

Seit Beginn des deutschen Bundeswehr-Einsatzes im Dezember 2001 sind in Afghanistan insgesamt 18 deutsche Soldaten ums Leben gekommen. Beim bisher schwersten Anschlag auf ISAF-Soldaten waren im Juni 2003 vier deutsche Soldaten in einem Mannschaftsbus auf dem Weg zum Flughafen getötet worden. Ende September hatte der deutsche Bundestag das Mandat der Bundeswehr für den ISAF-Einsatz verlängert und ausgeweitet. Demnach soll das deutsche Kontingent von 2250 auf bis zu 3000 Soldaten aufgestockt werden. Außerdem waren zeitweise Soldaten der deutschen Elitetruppe KSK unter Führung der USA als Teil der "Operation Enduring Freedom" im Anti-Terror-Kampfeinsatz in Afghanistan.

Im Juni 2003 waren bei einem Selbstmordanschlag auf einen Bus der Bundeswehr in Kabul vier deutsche Soldaten getötet und 29 weitere verletzt worden. An dem NATO-geführten Friedenseinsatz in Afghanistan sind derzeit knapp 2250 Bundeswehrsoldaten beteiligt. Der größte Teil des Kontingents leistet seinen Dienst in der Hauptstadt Kabul.

Darüber hinaus ist die Bundeswehr mit sogenannten Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) in Kunduz und Faisabad im Norden des Landes im Einsatz. Ein weiterer Stützpunkt ist in der drittgrößten afghanischen Stadt Mazar-i-Sharif geplant. Die PRTs unter ISAF-Führung sollen in den Provinzen für mehr Sicherheit sorgen und den Wiederaufbau des Landes praktisch unterstützen. Ende September hatte der Bundestag die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes beschlossen. (APA/AP/Reuters)

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