CONTRA Verschluss-Alternativen

21. Juni 2007, 13:55
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Für Christian Schiesser gehört der Kork unverzichtbar zur Weinkultur wie ein schönes Glas mit Stiel aus dem man Wein trinke

Christian Schiesser (Korken Schiesser) glaubt an den Kork. Seine Familie betreibt einen Korkhandel in Wien, und ist seit den 60-er Jahren eng mit Amorim, dem weltweit größten Korkproduzenten, verbunden. Sein Onkel Gerhard ist nach dem zweiten Weltkrieg in Zuge eines Caritas-Austausches „als Jüngling“ an die Familie Amorim geraten, woraus eine langjährige Freundschaft und ein enger geschäftlicher Kontakt entstanden. Christian Schiesser sei mit Kork aufgewachsen und habe auch ein Jahr in Portugal gelebt, wo er alles kennen gelernt habe, wie er erklärt. Für Schiesser gehört Kork unverzichtbar zur Weinkultur wie ein schönes Glas mit Stiel aus dem man Wein trinke. Dass die Firma Schiesser auch mit Kunststoff- und Drehverschlüssen handle, sei eine logische geschäftliche Notwendigkeit.

Christian Schiesser: „In den vergangenen 5 Jahren konnten wir eine merkliche Reduzierung von Beanstandungen feststellen. Wir müssen auch festhalten, dass Amorim – der weltweit grüßte Korkproduzent - jährlich rund sechs Millionen Euro in Forschung investiert, und Korken Schiesser bietet heute Winzern Produkte mit einer Qualitätssicherung, deren Richtlinien von internationalen Weininstituten (FH Geisenheim) aufgestellt und in unserem Haus sogar noch verschärft wurden. So werden zum Beispiel nur TCA kontrollierte Korken in unserem Haus gelagert und verarbeitet, und die Grenzwerte der Belastung TCA (Trichloranisol 2,4,6) wurde von 6 Nanogramm auf 4 Nanogramm reduziert.

Fehlerrate

Nationale und internationale angesehenen Gutachter und Experten sprechen immer von 1 bis 2 Prozent und nicht von 20 bis 30 Prozent wie von einigen Fachmedien berichtet. Ein unterschiedlicher Ausbau des Weines in der Flasche darf nicht immer dem Kork zugeschrieben werden, denn der konnte auch bei Alternativverschlüssen festgestellt werden.

Die Korkindustrie ist auf dem richtigen Weg. Heute existieren bereits Verfahren, die in die richtige Richtung gehen. Amorim bietet seit drei Jahren einen mit dem „Rosa – Verfahren“ produzierten Kork. Hier wird Korkgranulat mit heißem Dampf in einem speziellen, patentierten Verfahren gereinigt. In diesem Zeitraum wurden Millionen Flaschen mit diesem Kork verkauft – bisher hatten wir keine einzige Reklamation wegen Korkgeschmack!

Ökologie und Wirtschaft

Für Kork sprechen auch einige ökologische und wirtschaftlichen Punkte:

1. Kork kann im Vergleich zu allen Alternativverschlüssen mit dem geringsten Aufwand wieder verwendet werden. In Deutschland und den Niederlanden gibt es Sammelsysteme für Kork, Korken werden zu Granulat verarbeitet und in der Bauindustrie verwendet (als Dämm- oder Isoliermaterial). Grundsätzlich wäre das natürlich auch in Österreich denkbar, allerdings müssten lokale Baufirmen dazu bereit sein.

2. In Portugal bietet die Korkindustrie 25.000 Menschen Arbeit – großteils in den ärmsten Gebieten des Landes (Alentejo ist das „Kernland“ der Korkeiche)

3. Kein Baum muss gefällt werden, um Kork zu ernten! Nur die Rinde der Korkeiche wird geschält, und diese bildet sich selbstständig wieder nach – ein Raubbau ist, wie oft gegenteilig behauptet, nicht möglich. Gesetzliche Regelungen aus den 20er und 30er Jahren haben hierfür die Grundlage gebildet.

4. Der Großteil der österreichischen Winzer bestätigt: Für langjährige Lagerung gibt es derzeit keine Alternative zum Naturkork.

5. Der Prozentsatz von Weinen mit Korkgeschmack ist in den letzten Jahren mit Sicherheit nicht gestiegen (eher umgekehrt), man darf aber auch nicht vergessen, dass das Wissen der Menschen in Österreich über Wein enorm gestiegen ist, viele Menschen erkennen heute Weinfehler, die vor einigen Jahren wahrscheinlich noch „übersehen“ wurden. Und das ist ja kein Punkt gegen Kork, sondern spricht sehr für das Niveau des österreichischen Weinkonsumenten!“

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    foto: standard/cremer
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