Nachruf: Jenö Takács 1902-2005

14. November 2005, 18:29
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Der Komponist, heimatverbundener Kosmopolit, starb 103-jährig in Eisenstadt

Eisenstadt - Dass Musik jung hält, hat schon Irving Berlin bewiesen, der, seit er 1989 im Alter von 101 Jahren starb, als bisher längstlebender Komponist galt. Der aus dem heute burgenländischen Siegendorf stammende kosmopolitische Komponist und Pädagoge Jenö (von) Takács hat diesen Rekord eingestellt. Er starb gestern, Montag, 103-jährig in Eisenstadt.

Obwohl Takács durch sein Studium bei Joseph Marx, das er in den 20er-Jahren an der Wiener Musikakademie absolvierte, von der stilistischen Tradition der Spätromantik und des Impressionismus geprägt war, durchlief er in seinem gut acht Jahrzehnte umspannenden Schaffen mehrere Wandlungen.

Den Anstoß zu diesen gab vor allem sein früher Kontakt mit Béla Bartók, der ihn sowohl für die der Folklore sensibilisierte als auch sein Verhältnis zur herkömmlichen Tonalität unüberhörbar lockerte.

Diese undoktrinäre Einstellung kam ihm vor allem als international renommierter Musikpädagoge zugute. Die Stationen seines Wirkens reichten von Kairo über Manila bis an die University of Cincinnati.

Nach seiner Emeritierung im Jahr 1970 verbrachte Takács seine letzten Lebensjahrzehnte in seinem Elternhaus in Siegendorf, wo er sich, durch zahlreiche Auszeichnungen hoch geehrt, ausschließlich seinem vielfältigen Schaffen widmete. (vuji/DER STANDARD, Printausgabe, 15.11.2005)

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    Jenö Takacs auf einem Archivbild von 1994

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