Publikumsrat: Bergmann hofft auf Sitz im Stiftungsrat

14. November 2005, 18:13
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Kampagnenprofi rittert mit Homepage, Umfrage und Tour durch die Bundesländer um Stimmen - SPÖ zieht Rechtmäßigkeit der Kandidatur in Zweifel

Kampagnenprofi Kurt Bergmann ist wieder in Fahrt: Der 70-jährige tritt für den ÖVP-Seniorenbund zur Direktwahl in den ORF-Publikumsrat (29. November bis 5. Dezember) an und präsentierte am Montag Programm und Homepage inklusive einer Online-Umfrage zum ORF. Sollte er in das Hörer- und Sehergremium gewählt werden, "dann mache ich mir auch große Hoffnung, in den Stiftungsrat entsendet zu werden", sagte er auf einer Pressekonferenz in Wien.

In das oberste Aufsichtsgremium des ORF entsendet der Publikumsrat drei der direkt gewählten Mitglieder, was nicht zuletzt Auswirkungen auf die politische Machtverteilung im Stiftungsrat hat. Bergmann betonte am Montag in der ÖVP-Parteizentrale sein Bekenntnis zu einem "von den Parteien unabhängigen ORF". Ob er bei der im nächsten Jahr im ORF anstehenden Generaldirektorenwahl für die amtierende Chefin Monika Lindner stimmen werde, beantwortete er diplomatisch: Es gelte, "die öffentliche Ausschreibung aus Fairnessgründen" abzuwarten. Generell tritt Bergmann unter anderem für "Qualität und Quote", für den Föderalismus, die Fußball-Bundesliga im ORF und ein "neues Bild der Senioren" ein.

Unterwegs in allen Bundesländern

Mit Bergmann tritt ein langjähriger ORF-Mann als Seniorenvertreter im Publikumsrat an, er war im Laufe seiner Karriere unter anderem zwei Mal Landesintendant, Generalsekretär und bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2003 Chef der Abteilung Humanitarian Broadcasting ("Licht ins Dunkel", "Nachbar in Not"). Politisch umtriebig war er zuletzt als Kampagnenleiter für die Präsidentschaftskandidatin Benita Ferrero-Waldner (V) im Jahr 2004 sowie bei der heurigen Landtagswahl in der Steiermark, wo er eine Wahlplattform für Waltraud Klasnic (V) aufstellte. In eigener Sache ist er nun ebenso eifrig unterwegs: Am Wochenende machte er auf der Innsbrucker Seniorenmesse Station, in den kommenden Wochen werde er "in allen Bundesländern" aktiv sein. Die Kosten für die Kampagne beziffert der Seniorenbund mit einer "nicht fünfstelligen Euro-Zahl".

SPÖ zieht Rechtmäßigkeit der Kandidatur in Zweifel

Die SPÖ äußerte am Montag indes Zweifel, ob Bergmann überhaupt kandidieren darf, da laut ORF-Gesetz Personen ausgeschlossen sind, die in den vergangenen vier Jahren bei einer Partei angestellt waren. Angesichts Bergmanns Engagement bei den genannten Wahlkämpfen forderte SPÖ-Chef Norbert Darabos "das Bundeskanzleramt auf, die Rechtmäßigkeit der Kandidatur von Bergmann nochmals zu überprüfen". Auch Bergmann selbst solle offen legen, "welche Form des Arbeitsverhältnisses er mit der ÖVP gehabt habe".

ÖVP sieht keinen Widerspruch zu Kandidatur

Bei der ÖVP kann man mit den Bedenken der SPÖ bezüglich der Kandidatur von Kurt Bergmann für den ORF-Publikumsrat nichts anfangen. Bergmann sei "weder im Präsidentschaftswahlkampf 2004 noch bei den steirischen Landtagswahlen in einem Dienst- oder Arbeitsverhältnisses der ÖVP gestanden", betonte ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka am Montag in einer Aussendung.

Er habe "habe lediglich gemeinsam mit anderen Persönlichkeiten unabhängige Personenkomitees geleitet", so die ÖVP. Dies stehe "in keinem Widerspruch zur Kandidatur für den ORF-Publikumsrat". (APA)

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